Archiv

Archive for the ‘Rezensionen’ Category

Norbert Sternmut’s Wildwechselzeit: Tagebuch einer Beziehung (Rezension: Daniela Wegert)


wildwechselPromiskuität als Therapiegrund und der Wahn (oder der Wunsch?), dass die Wirklichkeit nicht real ist.

Norbert Sternmut legt seinen neuen Roman in Tagebuchform (TaBu) vor und arbeitet seinen Frühling und Sommer auf, um ein neues Denken, eine neue Philosophie für den (Lebens-) Herbst zu finden.
Herbstzeit ist Wildwechselzeit.

Es ist immer ein wenig schwierig, den Roman eines Autors zu lesen, den man kennt (ein wenig), da der autobiografische Anteil bisweilen schockieren kann und man vielleicht Dinge erfährt, die einem den Menschen in einem anderen Licht zeigen (aber gehen wir Autoren nicht mit jedem unserer Werke dieses Risiko ein?)

Norbert Sternmuts Roman hat mir gut getan, bisweilen etwas schmerzhaft, einen Spiegel vorgehalten zu bekommen. Innerliche Zerrissenheit, das Schwanken zwischen Moral, Liebe, Treue, Leidenschaft und Begierde (Triebe?)’ und immer wieder die Moral, dieser erhobene Zeigefinger.

Was ich las, war in erster Linie Weltschmerz. Anfänglich der Weltschmerz eines Kindes, das als unheilschwanger ausgeschiedenes Eingeweide das Licht dieser Welt erblickte: ungewollt, ungeliebt und gedemütigt durch die physischen und psychischen Tritte und Schläge der Mutter, die es sich stets hässlich fühlen ließ, innen wie außen. Dieses Gefühl des Nicht-Angenommen-Seins, in einer Welt zu existieren, in der es nicht lebte, ja nicht mal verwaltet, sondern hineingepresst wurde, um zu überleben.
Sternmut sucht Ordnung, eine innere Ordnung, wo sie äußerlich sowieso nicht existiert, versucht diese Ordnung durch Schreiben (seine Therapie? seine Eva G.?) herzustellen. Dieser Gedanke ist mir beim Lesen oft gekommen. Ein schriftlicher Monolog einer imaginären Therapie, einer imaginären Therapeutin (Eva G.) zum Zwecke der Selbsttherapie. Ob die Therapie nun real oder fiktiv ist, sei in diesem Zusammenhang irrelevant. Sternmut legt mit Wildwechselzeit einen Roman vor, der persönlicher und intimer nicht sein kann, zeitweiser Pikiertheit seitens des Leser nicht ausgeschlossen. WWZ erscheint mir wie ein Umbruch und Abschluss in Sternmuts Leben. Wobei in vorhergehenden Romanen wie Marlies und Norman der Abstand zum Inneren durch die dritte Form gewahrt wurde, schreibt Sternmut nun in der Ich-Form und bricht damit Wände weg, die Inhalt und eigene Person zuvor noch zu trennen vermochten. Hier ist das nicht mehr der Fall, unmöglich. Unweigerlich steht der Bezug zum Autor, zum Menschen Sternmut und jedes Wort, so klar und deutlich geschrieben, jeder Satz in seinen feinen Nuancen (ja, bisweilen klingt Sternmut) lässt jeden Gedanken an Fiktion verschwinden. Teilweise beängstigend, wenn zum Beispiel das Thema Suizid zur Sprache kommt. Die Depressionen, die aus dem Inneren kommen. Äußerlich auf dieser Welt zu existieren, ist nicht schwer. Luft, Nahrung, Schlaf – was braucht es, um zu überleben? Das wirkliche Leben kommt von innen: unsere Wünsche, Hoffnungen, Liebe, angenommen sein, gewollt sein, geliebt werden und selbst lieben. In der Kindheit fehlten Sternmut all diese wichtigen Dinge, die in das Carepaket des Lebens gehören.

Wir wären verlogen, würden wir behaupten, dass das Geliebtwerden, die Aufmerksamkeitssuch(t)e, das Zusammengehören nicht unsere stärkste Triebfeder sei. Somit schreibt Sternmut nicht nur über sich selbst, über sein Inneres, sondern über das Innere unserer Gesellschaft. Nie als Moralapostel, nie mit erhobenem Zeigefinger, jedoch mit viel Gefühl für die Sprache (sein Arbeitsmittel!) schubst er den Leser vom Ist ins Soll. Er schreibt: ‘Wir brauchen ein neues Denksystem, eine neue Kopfgeburt. Darüber wollte ich ein Buch schreiben’ und es ist ihm gelungen.

Es ist das Tagebuch einer Beziehung, wohl wahr, doch wenn Sie denken, es sei die Beziehung Sternmuts zu einer Frau, dann lesen Sie selbst. Es ist ein Tagebuch unserer aller Beziehung zueinander und die Frage, ob ein neues Denken, eine neue Ordnung nicht langsam angebracht wäre und Sigmund Freuds These ‘Jeder Mensch ist des anderen Wolf’ nicht überdacht werden sollte.

Ein Wort durchzieht den Roman wie ein roter Faden: womöglich! ‘Womöglich‘ ist so ein schwebendes Wort und beschreibt Sternmuts Gefühl, nie genau zu wissen, ob die Wirklichkeit wirklich ist, ob das Gefühlte, das man Liebe nennt, wirklich Liebe ist. Nicht zu wissen, ob man richtig fühlt, ob man sich auf das Gefühl verlassen kann, auf seine Vernunft, auf seine Gedanken. Dieses Wort (womöglich) immer wieder einfließen zu lassen und metaphorisch damit den Ausdruck für die Unsicherheit seiner Gefühlswelt zu vermitteln, ist großartig.

Du wirst erkannt, wie du dich fühlst. Wie innen, so außen! Dass die Menschen nie das sehen, was du wünscht, dass sie in dir sehen sollen, sondern – dass sie sehen, was DU über DICH denkst und fühlst. Unweigerlich! Sternmuts Roman zu lesen, ist wie ein Wiedersehen mit den eigenen Gedanken und Gefühlen. Alles schon selber mal gedacht, über alles schon selber mal sinniert. Gerade auch in diesem Abschnitt werden sich viele wieder erkennen: dass man als das erkannt wird, was man selber fühlt (über sich). Fassaden hatten schon immer den Nachteil, mit der Zeit zu bröckeln. Alles ist ein Opfer der Zeit oder der eigenen Erkenntnis.

Nichts ist so, wie es scheint. Selbst das Gute und Brave entspringt nicht der Gutmenschnatur, sondern dem puren Egoismus. Und wenn wir ehrlich sind, verfolgt selbst die sich zum Helfen ausgestreckte Hand eine Befriedigung der eigenen Bedürfnisse, der nach Anerkennung und dem gehobenen Ansehen. Selbst als Kind schon erwarten wir vom braven und artigen Verhalten eine Belohnung. Das ist menschlich egoistisch (und womöglich ein gesunder Egoismus), nicht gutmenschlich. Eine Anpassung unseres Verhaltens in Erwartung eines positiven Feedbacks.

Versuchen wir uns selbst zu verstehen (was schon schwer genug ist), bevor wir versuchen, andere zu verstehen (was gänzlich unmöglich ist).

Der Text über 229 Seiten liest sich wie das Leben selbst, mal sanft und leise, mal berauschend poetisch, mal rhythmisch wie der Herzschlag – in einem dann folgendem Wortstakkato aufgelöst wie die Leidenschaft. Ein sehr lesenswertes Buch und (für mich) das beste, das Sternmut bisher schrieb.

Gebundene Ausgabe: 229 Seiten
Verlag: Wiesenburg; Auflage: 1 (Februar 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3942063255
ISBN-13: 978-3942063258

Bestellung

Kindle Paperwhite

1. März 2013 9 Kommentare

paperwhite

Sicherlich können wir uns Neuerungen gegenüber verschließen und in Nostalgie schwelgen, weil Althergebrachtes nun mal unser Leben begleitet hat und so manch liebgewordene Erinnerung daran hängt. Was das Lesen betrifft, scheinen viele sich von “ich brauche den Duft des Buches oder das Rascheln des Papieres” nicht lösen zu können, zumindest lese ich häufig derlei Aussagen auf Facebook&Co. Man könne sich nun so gar nicht vorstellen, so ein Plastikteil namens eBook Reader in den Händen zu halten… nein nein, das würde den literarischen Genuss völlig verderben. Nur lebt eine Geschichte nicht vom Rascheln oder dem dumpfen Geruch des Papieres, auch nicht von der Haptik sondern von Buchstaben, die sich zu Worten und schließlich zu Sätzen formen und hoffentlich einen Sinn und zusammen eine spannende/interessante Lektüre ergeben.

Ich besitze die Gesamtausgabe von Franz Kafka. Das Werk misst 22 x 15 x 6 cm und wiegt mit seinen 1232 Seiten ganze 1078 Gramm. Wenn ich Sport machen möchte, gehe ich ins Fitnessstudio. Wenn ich abends im Bett lese, möchte ich mich auf den Text konzentrieren und nicht darauf, welche Lage am bequemsten und leichtesten ist, denn nach 10 Minuten wiegt Kafka schwer, nicht nur vom Stoff her… Daneben nehmen sich 213 Gramm doch wahrlich als Leichtgewicht aus und ich halte dann nicht nur Kafkas Werk in den Händen, sondern bis zu 1100 Bücher. Braucht man nicht, ist aber für Leseratten ein ausgesprochen gutes Gefühl.

Wir wollen dem eBook Reader eine Chance geben, ich finde nämlich, dass er eine ganz vortreffliche Sache ist. In diesem Fall handelt es sich um den Kindle, genau genommen um den Paperwhite.
Ich bin ehrlich, als ich meinen Kindle Paperwhite zum ersten Mal in den Händen hielt, war ich enttäuscht und dachte bei mir: “Gut, du hast zwei Wochen Zeit, ihn zu testen und sendest ihn dann zurück“. Nach ca. zwei Stunden war daran gar nicht mehr zu denken. Was mich vorderhand faszinierte, war das augenschonende Lesen. Mit der einzigartigen Frontallichttechnik wird das Display vom unteren Rand her komplett ausgeleuchtet. Man hat tatsächlich das Gefühl, auf gedrucktem Papier zu lesen. Kein grelles Licht wie bei einem Tablet, sondern ein angenehm ausgeleuchtetes Display, das eher wie ein Blatt Papier wirkt, das sanft von einer Leuchte angestrahlt wird. Das war schon mal ein großer Pluspunkt. Bisweilen lese ich mehrere Stunden und habe bisher kein Ermüden der Augen festgestellt. Es lässt sich bei direkter Sonne genauso wie abends im Bett in der Dunkelheit wirklich ausgezeichnet lesen. Zudem wird lediglich das Display ausgeleuchtet, sodass eventuelle Bettnachbarn nicht weiter beim Schlafen gestört werden. Zudem verfügt der neue Kindle im Gegensatz zu seinem Vorgänger 62% mehr Pixel. Die Schrift ist klar und deutlich. Einziger Nachteil (aber der ist wahrlich zu verkraften) ist die unregelmäßige Beleuchtung am unteren Rand, die sogenannte Wolkenbildung. Ich muss allerdings sagen, dass man diese nach häufiger Benutzung nicht mehr wahrnimmt. Zudem hat Amazon über diesen oft diskutierten Fauxpas extra eine Stellungnahme veröffentlicht.

Die Haptik ist großartig. Mal davon abgesehen, dass der Kindle lediglich 231 Gramm wiegt, hat er zudem ein schwarzes, griffiges Gehäuse, sodass der Reader nicht aus der Hand rutscht und wirklich nichts ins Gewicht fällt. Ihn lange Zeit im Liegen zu halten, ist kein Problem.
Der Kindle Paperwhite verfügt über einen kapazitiven Touchscreen. Jegliche Funktionen werden über das Display angesteuert. Einen Knopf zum Bedienen wird man vergeblich suchen, er besitzt lediglich ein On/Off Schalter in der Mitte des unteren Randes, um das Gerät an- und auszuschalten. Ein Homebutton wäre hilfreich gewesen. Zum Ausschalten noch ein Wort: Nach Bedienen des Knopfes geht der Paperwhite lediglich in einen Ruhezustand und zeigt eine Art Bildschirmschoner. In diesem Zustand allerdings könnte der Akku (laut Amazon) ohne erneute Aufladung 8 Wochen lang durchhalten. Die lange Akkulaufzeit wird von Amazon sehr angepriesen, wobei ich sagen muss, dass ich nicht drum rum komme, meinen Kindle alle drei bis vier Tage zu laden, obwohl ich Wlan ausschalte, wenn ich es nicht benötige. Allerdings habe ich ihn auch sehr oft in den Händen und lese recht häufig und viel. Genaue Angaben über die Akkulaufzeit kann ich an dieser Stelle also nicht anstellen.

Der Kindle tut, was man von ihm erwartet und konzentriert sich auf das Wesentliche. Er ist ein Lesegerät, darum wird man Lautsprecher und Kopfhörerbuchse (wie beim Kindle Touch/Fire integriert) beim Paperwhite vergeblich suchen. Rezensionen, die diese Tatsache negativ bewerten, sind für mich eher unbegreiflich. Wenn ich eBooks lesen möchte, jedoch auf Videos, Hörbücher, Musik und ggf das Surfen im Internet nicht verzichten möchte, nehme ich ein Tablet oder den Kindle Fire/Touch. Auch habe ich in einigen Rezensionen gelesen, dass auf dem Display des Kindles “bunte Flecken” zu sehen wären. Das habe ich auch festgestellt, jedoch mit der Zeit bin ich der Meinung, dass diese Flecken nicht auf dem Display entstehen, sondern unsere Augen sie quasi vortäuschen. Wer einen Kindel Paperwhite besitzt, möchte bitte beim Entdecken der Flecken die Augen kurz schließen und dann wieder auf das Display schauen. Er/sie wird bemerken, dass die Flecken sich verändert haben oder gänzlich verschwunden sind. Mit der Zeit nimmt man sie gar nicht mehr wahr.

Die Geschwindigkeit des Paperwhite ist phänomenal. Schneller kann man eine Buchseite nicht öffnen. Nicht mal eine Sekunde vergeht vom Einschalten bis zum Sichtbarwerden der zu lesenden Seite. Auch das Öffnen der Bücher oder daskindleschrift Herunterladen aus der Cloud geht schnell vonstatten (Wlan oder 3G vorausgesetzt). Als einen mehr oder minder großen Nachteil empfinde ich, dass der Kindle zum Beispiel das epub-Format nicht unterstützt. Jedoch gibt es auch hier Hilfe. Für meinen vorherigen Reader (Sony PRS) habe ich die Software Calibre benutzt, um meine eBooks auf dem Reader einzupflegen. Aus diesem Grund habe ich noch unzählige eBooks in epub-Format auf der Festplatte. Mit Calibre lassen sich diese Bücher ins Kindle-Format konvertieren und auf den Kindle per USB hochladen. Wie man das macht, seht ihr hier. Wie ihr ePub-eBooks auf dem Kindle eReader lesen könnt. (Achtet darauf, dass die eBooks im epub-Format nicht kopiergeschützt sind). Zudem bekommt ihr beim Bestellen eines Kindles über Amazon eine eMail-Adresse in der Form ****@kindle.com, an die ihr Dateien im PDF Format senden könnt, die dann auf dem Kindle unter “Dokumente” erscheinen. Tolle Sache.

Weitere hilfreiche Features des Kindles sind zum Beispiel der Lesefortschritt (Time to read) und das Markieren von Texten, das Anlegen und Teilen von Notizen oder das Nachschlagen in Lexiken und Wörterbüchern. Auch ist ein Beta-Browser mit an Bord, Wikipedia ist zudem integriert. Unzählige Wörterbücher werden mitgeliefert, andere können im Nachhinein auch noch erworben und integriert werden. Für englische Bücher habe ich mir z.B ein Deutsch-Englisch Wörterbuch gekauft, es in Sekunden installiert. Funktioniert tadellos. Time to read errechnet anhand der eigenen Lesegeschwindigkeit, wie lange man noch für das ganze Buch oder für das gerade gelesene Kapitel benötigt. Letzteres ist eventuell vor dem Schlafen ganz hilfreich, ob es noch lohnt, das Kapitel zu Ende zu lesen oder nicht. Das Einstellen der Schriftgröße und -art geht denkbar einfach. Man ziehe mit Daumen und Zeigefinger das Display auseinander und schon öffnet sich das Auswahlfenster und die Schrift vergrößert sich automatisch um eine Stelle. Umgekehrt – zieht man die Finger zusammen, verkleinert sich die Schrift und das Auswahlfenster öffnet sich. Auch kann man hier die Schriftart, den Zeileabstand und die Breite des Seitenrandes einstellen. Gut gelöst.

Der Homescreen ist schlicht und übersichtlich in zwei Bereiche gegliedert. Zum einen das Gerät, zum anderen die Cloud, also der Bereich, wo du die Bücher findest, die in die Amazon-Cloud geladen wurden, sich aber noch nicht auf dem Gerät befinden. Diese Cloud kann man bequem über den Amazon-Account pflegen. Zudem kann man sich unter kindle.amazon.com ein Profil einrichten, sich mit anderen verbinden und Bücher einpflegen, bewerten, anderen mitteilen (soz. Netzwerke), was man gerade liest und so weiter. Auf dem Kindle lassen sich die Bücher sortieren, auch kann man selber Sammlungen anlegen, um eine gewissen Übersicht über die (doch mit der Zeit) anschwellende eBook-Sammlung zu erhalten. Ich werde in diesem Beitrag nicht weiter auf die Handhabung des Readers eingehen, die erschließt sich einem von selbst. Auch kommt ein Handbuch auf dem Kindle gleich zu euch nach Hause, sodass ihr nachschlagen könnt. Im Grunde ist die Handhabung einfach und selbst klärend.

Amazon hält für den Leser unzählige kostenlose eBooks bereit, die man schnell und einfach auf den Kindle laden kann. Das kann zum einen über das Webinterface von Amazon geschehen oder über das Gerät selbst. Ich finde es über das Webinterface bequemer. In wenigen Sekunden hat man das eBook auf seinem Kindle und kann mit dem Lesen beginnen.
Kostenlose, deutsche eBooks: Sammlung

Prime-Mitglieder (kostet 29,- € jährlich) dürfen sich einmal monatlich ein Buch aus der Amazon-Leihbibliothek ausleihen. Extra dafür eine Prime-Mitgliedschaft zu erwerben, finde ich persönlich unsinnig. Ich habe gelesen, dass die Leihbibliothek keinerlei aktuelle Bestseller zum Ausleihen anbietet.

Den Paperwhite gibt es in der Wlan-Ausführung (129 Euro) oder als 3G Version (189 Euro) . Letzterer kostet zwar 60 Euro mehr, ist aber für Kunden, die kein Wlan daheim haben, sehr interessant. Es kommen keine weiteren Kosten auf einen zu, 3G- Anbindung und die Kosten zahlt Amazon. So kann man weltweit Bücher runterladen, ohne auf eine Wlan-Verbindung angewiesen zu sein.

Fazit: Für Vielleser ist der Kindle Paperwhite eine sehr gute Investition. Möchte man jedoch auch Videos, Hörbücher und Musik genießen, wäre man mit einem Kindle Touch/Fire oder gar einem Tablet besser bedient. Er ist handlich, leicht zu bedienen, die Akkulaufzeit ist gut bis sehr gut, das satinierte Paperwhite-Display ist – trotz seiner kleinen Macken – wirklich gut und ermöglicht ermüdungsfreies Lesen.

(Bildquellen: amazon.de)

Rezension: “Selbstmord auf Raten” von Nora Ludwig


Rezension “Selbstmord auf Raten” – Nora Ludwig

noraAls Tochter eines alkoholkranken Vaters war es mir wichtig, auch mal die andere Seite betrachten zu dürfen und Einblick in die Seele eines Alkoholikers aus seiner Sicht zu erhalten, um zu verstehen.
Nora Ludwig ist es gelungen, ohne Effekthascherei und in einfachen, aussagekräftigen Sätzen ihr Leben mit der Alkoholsucht zu schildern. Ohne beim Leser Mitleid erregen zu wollen oder Entschuldigungen zu finden, beschreibt sie ihr Leben – beginnend in der Kindheit.
Nora Ludwig verlebt eine Kindheit mit Eltern, die ihr bereits in jungen Jahren die Problembekämpfung mittels Alkohol vorlebten. Mutter und Vater betrachteten den Alkohol als Kommunikationsersatz. Negative Gefühle wurden im Alkohol ertränkt und Dispute wurden einfach weggesoffen.
Sie schließt die Schule ab, macht ihr Abitur und studiert an der Rostocker Universität Betriebswirtschaft. Um dem Elternhaus zu entkommen und sicher auch, um ihre Sehnsucht nach Liebe und Aufmerksamkeit zu stillen, entschließt sie sich als Jugendliche zu heiraten. Keine Liebesheirat. Eher eine Flucht – und die Möglichkeit, ein halbwegs normales Leben zu führen. Ohne Alkohol.
Nora ist eine Perfektionistin. Sie will es allen recht machen (in erster Linie sich selbst) und sie will vor allem alles richtig machen. Während des Studiums wird sie Mutter und stellt schnell fest, dass sie der zusätzlichen Anforderung, die das Dasein als Mutter und Ehefrau mit sich bringt, nicht gewachsen ist. Der Ehemann, dessen Werben sie nachgegeben hat und der von ihr aus logischen, nicht jedoch emotionalen Gründen gewählt wurde, entpuppt sich nach und nach als Tyrann. Und nun schlich sich das in ihr Leben ein, was ihr seit der Kindheit so verhasst war und dem sie geschworen hat, nie zu verfallen. Der Alkohol.
Im weiteren Verlauf des Buches schildert Nora Ludwig schonungslos ihren schleichenden Abstieg. Sie verliert ihre Kinder. Das Jugendamt entscheidet, dass ihre Söhne zu ihren Vater nach Österreich gehen. Ich empfand diese Schilderung im Buch als eine der schlimmsten, wie sie dem Auto nachschaute, in dem ihre Söhne saßen. Das erste Weihnachtsfest ohne Kinder. Beruflich steigt Nora Ludwig von der ökonomischen Leiterin zur Putzfrau ab. Auch haben mich die Ausführungen (teilweise extrem detailliert) ihrer Exzesse schockiert, die körperlichen Reaktionen, die sie eindrucksvoll und bildhaft beschreibt. Durch die Zeilen drang immer wieder ein Wort zu mir durch: Einsamkeit.
Nach dem Lesen dieses Buches wird man sicher so manchen Alkoholiker vor dem Imbiss, Discounter oder in den schmutzigen Ecken mit anderen Augen sehen. Kein Alkoholiker hat sich dieses Leben und seine Sucht ausgesucht. Wir dürfen diese Menschen nicht als schmuddelige Randgesellschaft betrachten und müssen verstehen lernen, dass Alkoholismus eine Krankheit ist.

 

Broschiert: 84 Seiten
Verlag: Adebor; Auflage: 1 (27. März 2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3981454227
ISBN-13: 978-3981454222

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.