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Archive for the ‘Rezensionen’ Category

Yoga für Anfänger


yogaMir geht es sicherlich wie vielen, ich hatte schon immer vor, das vielgepriesene Yoga in mein Leben aufzunehmen, mir fehlte aber bisher meistens die Zeit, ein geeignetes Yoga-Studio inklusive geeignetem Yoga-Lehrer zu suchen und dann auch noch regelmäßig an den Unterrichtsstunden teilzunehmen. Den inneren Schweinehund kennt sicher auch jeder, bis man sich erst mal ausgerafft hat, findet man eh, dass es schon viel zu spät ist, das Haus zu verlassen.
Irgendwann habe ich dann mal auf eigene Faust nach einem Buch begonnen, Yoga-Übungen nachzumachen mit dem Ergebnis, meine Halswirbelsäule, die eh schon lädiert ist, ordentlich zu verrenken. Ich gab mein Vorhaben wieder auf.
Kürzlich stöberte ich auf Amazon und stieß dabei auch auf den zehnstündigen Yoga-Kurs von Sylvio Fritzsche. Habe dann in den Rezensionen gestöbert, um in Erfahrung zu bringen, ob der Kurs auch für Anfänger geeignet ist. Anhand der Erfahrungen anderer habe ich mich dann entschieden, den Kurs zu kaufen, und ich sage vorab, ich habe es auch nicht bereut.
Mit diesem Kurs erhaltet ihr einen zehnstündigen Basiskurs, in dem alle Basis-Asanas erlernt werden. Jeder Kurs dauert ca. eine Stunde. Das ganze Konzept ist in zehn Module aufgeteilt.
? Modul 1: Standhaltungen
? Modul 2: Vorbeugen
? Modul 3: Drehhaltungen
? Modul 4: Sonnengruß
? Modul 5: Rückbeugen
? Modul 6: Hüftöffnung
? Modul 7: Balance
? Modul 8: Umkehrhaltungen
? Modul 9: Restorativ Yoga
? Modul 10: Yogabasics Serie
Jedes Modul umfasst eine Einführung, die erklärt, worauf man als Übender achten sollte, somit wird unter anderem ein Verletzungsrisiko vorgebeugt und Interessantes zur Anatomie erklärt. Modul 1 bis 8 erklärt die Basics, im Modul 9 geht es um Entspannung und Reaktivierung der Kräfte, Modul 10 fügt die Basics zu einer kompletten Yoga-Stunde zusammen. Alles ist perfekt aufeinander aufgebaut und greift nahtlos ineinander.
Die Module selber sind anstrengend aber machbar. Ich habe völlig untrainiert angefangen und erinnere mich in diesem Zusammenhang an meinen Alleingang mit dem Buch, wo ich bisweilen regelrecht sauer auf mich selber war, dass ich die gezeigten Übungen nicht mal in der Anfängerposition auch nur halbwegs hinbekommen habe. Man neigt dann leicht dazu, sich selber zu überschätzen oder gar zu Übertreibungen (“…das muss ich doch irgendwie hinbekommen”). Mit diesem Video ist das keinesfalls so. Es wird Schritt für Schritt erklärt, wie man in die Übung hineingeht, welche Hilfsmittel man verwenden kann (und anfänglich auch sollte). Mit diesem Konzept macht es Spaß dranzubleiben, man fühlt sich nicht überfordert oder gar beschämt, weil man anfänglich halt nicht so super beweglich ist. Dieses “das schaffe ich nie” hatte ich nicht ein einziges Mal. Womit ich etwas Schwierigkeiten hatte, war, die Übungen während der Erklärung auch solange zu halten, weil ich einfach die Kraft noch nicht hatte. Dass ich das gar nicht muss, hat man mir dann auch umgehend geschrieben. Und hiermit komme ich auf das zweite wirklich Fantastische an diesem Kurs: Man kann direkt Kontakt zu Herrn Fritzsche aufnehmen, bekommt jederzeit Erklärungen und auch bisweilen immer mal wieder Nachfragen, wie man zurechtkommt. Das hat schon fast etwas von einem privaten Yoga-Lehrer und zeigt, mit wie viel Herz und Verstand der Macher dieses Kurses bei der Sache ist.
Das Wichtigste beim Yoga ist ganz sicher die Atmung. Auch hier wird während des Übens immer wieder darauf hingewiesen, das Atmen nicht zu vergessen – was man ja ganz gerne tut, wenn es anstrengend wird. Dass während des Kurses auf jede Einzelheit geachtet wird, hat mich zudem sehr gefreut. Ich denke, dass man mit dieser DVD zuhause seine Yoga-Basics erlernen kann, ohne gesundheitliche Risiken einzugehen, (die beim Yoga bisweilen bei einigen körperlich Eingeschränkten vielleicht gegeben sind), vorausgesetzt, man hält sich an die beschriebenen Übungen und lernt so sauber wie möglich, ruhig aber stetig und überfordert sich nie. Perfektionismus ist hier nicht angebracht, sondern eher besonnenes Üben und ein bewusster Umgang mit seinem Körper, zudem ein stetig lauschendes Ohr, das einem sagt, wann Grenzen vorerst erreicht sind. Wir hören schon lange nicht mehr auf unseren Körper, mit Yoga können wir es wieder lernen. Das man vom Yoga nur profitieren kann, körperlich wie seelisch, liegt klar auf der Hand.
Ich kann diesen Kurs Anfängern wie auch Fortgeschrittenen ans Herz legen, die – wie ich – keine Zeit haben, ein Yoga-Studio aufzusuchen und deren innerer Schweinehund sie immer wieder mit Ausreden wie “Oh, es regnet,… oh, es ist schon so spät,… oh, … oh,… oh…” vom regelmäßigen Üben abhält. Von der Couch zum CD Player und von da aus auf die Matte schafft man, auch wenn “Otto” bellt. Hier gibt es keine Ausreden mehr.

 

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Kategorien:Empfehlung, Rezensionen, Yoga

Norbert Sternmut’s Wildwechselzeit: Tagebuch einer Beziehung (Rezension: Daniela Wegert)


wildwechselPromiskuität als Therapiegrund und der Wahn (oder der Wunsch?), dass die Wirklichkeit nicht real ist.

Norbert Sternmut legt seinen neuen Roman in Tagebuchform (TaBu) vor und arbeitet seinen Frühling und Sommer auf, um ein neues Denken, eine neue Philosophie für den (Lebens-) Herbst zu finden.
Herbstzeit ist Wildwechselzeit.

Es ist immer ein wenig schwierig, den Roman eines Autors zu lesen, den man kennt (ein wenig), da der autobiografische Anteil bisweilen schockieren kann und man vielleicht Dinge erfährt, die einem den Menschen in einem anderen Licht zeigen (aber gehen wir Autoren nicht mit jedem unserer Werke dieses Risiko ein?)

Norbert Sternmuts Roman hat mir gut getan, bisweilen etwas schmerzhaft, einen Spiegel vorgehalten zu bekommen. Innerliche Zerrissenheit, das Schwanken zwischen Moral, Liebe, Treue, Leidenschaft und Begierde (Triebe?)’ und immer wieder die Moral, dieser erhobene Zeigefinger.

Was ich las, war in erster Linie Weltschmerz. Anfänglich der Weltschmerz eines Kindes, das als unheilschwanger ausgeschiedenes Eingeweide das Licht dieser Welt erblickte: ungewollt, ungeliebt und gedemütigt durch die physischen und psychischen Tritte und Schläge der Mutter, die es sich stets hässlich fühlen ließ, innen wie außen. Dieses Gefühl des Nicht-Angenommen-Seins, in einer Welt zu existieren, in der es nicht lebte, ja nicht mal verwaltet, sondern hineingepresst wurde, um zu überleben.
Sternmut sucht Ordnung, eine innere Ordnung, wo sie äußerlich sowieso nicht existiert, versucht diese Ordnung durch Schreiben (seine Therapie? seine Eva G.?) herzustellen. Dieser Gedanke ist mir beim Lesen oft gekommen. Ein schriftlicher Monolog einer imaginären Therapie, einer imaginären Therapeutin (Eva G.) zum Zwecke der Selbsttherapie. Ob die Therapie nun real oder fiktiv ist, sei in diesem Zusammenhang irrelevant. Sternmut legt mit Wildwechselzeit einen Roman vor, der persönlicher und intimer nicht sein kann, zeitweiser Pikiertheit seitens des Leser nicht ausgeschlossen. WWZ erscheint mir wie ein Umbruch und Abschluss in Sternmuts Leben. Wobei in vorhergehenden Romanen wie Marlies und Norman der Abstand zum Inneren durch die dritte Form gewahrt wurde, schreibt Sternmut nun in der Ich-Form und bricht damit Wände weg, die Inhalt und eigene Person zuvor noch zu trennen vermochten. Hier ist das nicht mehr der Fall, unmöglich. Unweigerlich steht der Bezug zum Autor, zum Menschen Sternmut und jedes Wort, so klar und deutlich geschrieben, jeder Satz in seinen feinen Nuancen (ja, bisweilen klingt Sternmut) lässt jeden Gedanken an Fiktion verschwinden. Teilweise beängstigend, wenn zum Beispiel das Thema Suizid zur Sprache kommt. Die Depressionen, die aus dem Inneren kommen. Äußerlich auf dieser Welt zu existieren, ist nicht schwer. Luft, Nahrung, Schlaf – was braucht es, um zu überleben? Das wirkliche Leben kommt von innen: unsere Wünsche, Hoffnungen, Liebe, angenommen sein, gewollt sein, geliebt werden und selbst lieben. In der Kindheit fehlten Sternmut all diese wichtigen Dinge, die in das Carepaket des Lebens gehören.

Wir wären verlogen, würden wir behaupten, dass das Geliebtwerden, die Aufmerksamkeitssuch(t)e, das Zusammengehören nicht unsere stärkste Triebfeder sei. Somit schreibt Sternmut nicht nur über sich selbst, über sein Inneres, sondern über das Innere unserer Gesellschaft. Nie als Moralapostel, nie mit erhobenem Zeigefinger, jedoch mit viel Gefühl für die Sprache (sein Arbeitsmittel!) schubst er den Leser vom Ist ins Soll. Er schreibt: ‘Wir brauchen ein neues Denksystem, eine neue Kopfgeburt. Darüber wollte ich ein Buch schreiben’ und es ist ihm gelungen.

Es ist das Tagebuch einer Beziehung, wohl wahr, doch wenn Sie denken, es sei die Beziehung Sternmuts zu einer Frau, dann lesen Sie selbst. Es ist ein Tagebuch unserer aller Beziehung zueinander und die Frage, ob ein neues Denken, eine neue Ordnung nicht langsam angebracht wäre und Sigmund Freuds These ‘Jeder Mensch ist des anderen Wolf’ nicht überdacht werden sollte.

Ein Wort durchzieht den Roman wie ein roter Faden: womöglich! ‘Womöglich‘ ist so ein schwebendes Wort und beschreibt Sternmuts Gefühl, nie genau zu wissen, ob die Wirklichkeit wirklich ist, ob das Gefühlte, das man Liebe nennt, wirklich Liebe ist. Nicht zu wissen, ob man richtig fühlt, ob man sich auf das Gefühl verlassen kann, auf seine Vernunft, auf seine Gedanken. Dieses Wort (womöglich) immer wieder einfließen zu lassen und metaphorisch damit den Ausdruck für die Unsicherheit seiner Gefühlswelt zu vermitteln, ist großartig.

Du wirst erkannt, wie du dich fühlst. Wie innen, so außen! Dass die Menschen nie das sehen, was du wünscht, dass sie in dir sehen sollen, sondern – dass sie sehen, was DU über DICH denkst und fühlst. Unweigerlich! Sternmuts Roman zu lesen, ist wie ein Wiedersehen mit den eigenen Gedanken und Gefühlen. Alles schon selber mal gedacht, über alles schon selber mal sinniert. Gerade auch in diesem Abschnitt werden sich viele wieder erkennen: dass man als das erkannt wird, was man selber fühlt (über sich). Fassaden hatten schon immer den Nachteil, mit der Zeit zu bröckeln. Alles ist ein Opfer der Zeit oder der eigenen Erkenntnis.

Nichts ist so, wie es scheint. Selbst das Gute und Brave entspringt nicht der Gutmenschnatur, sondern dem puren Egoismus. Und wenn wir ehrlich sind, verfolgt selbst die sich zum Helfen ausgestreckte Hand eine Befriedigung der eigenen Bedürfnisse, der nach Anerkennung und dem gehobenen Ansehen. Selbst als Kind schon erwarten wir vom braven und artigen Verhalten eine Belohnung. Das ist menschlich egoistisch (und womöglich ein gesunder Egoismus), nicht gutmenschlich. Eine Anpassung unseres Verhaltens in Erwartung eines positiven Feedbacks.

Versuchen wir uns selbst zu verstehen (was schon schwer genug ist), bevor wir versuchen, andere zu verstehen (was gänzlich unmöglich ist).

Der Text über 229 Seiten liest sich wie das Leben selbst, mal sanft und leise, mal berauschend poetisch, mal rhythmisch wie der Herzschlag – in einem dann folgendem Wortstakkato aufgelöst wie die Leidenschaft. Ein sehr lesenswertes Buch und (für mich) das beste, das Sternmut bisher schrieb.

Gebundene Ausgabe: 229 Seiten
Verlag: Wiesenburg; Auflage: 1 (Februar 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3942063255
ISBN-13: 978-3942063258

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Kindle Paperwhite


paperwhite

Sicherlich können wir uns Neuerungen gegenüber verschließen und in Nostalgie schwelgen, weil Althergebrachtes nun mal unser Leben begleitet hat und so manch liebgewordene Erinnerung daran hängt. Was das Lesen betrifft, scheinen viele sich von “ich brauche den Duft des Buches oder das Rascheln des Papieres” nicht lösen zu können, zumindest lese ich häufig derlei Aussagen auf Facebook&Co. Man könne sich nun so gar nicht vorstellen, so ein Plastikteil namens eBook Reader in den Händen zu halten… nein nein, das würde den literarischen Genuss völlig verderben. Nur lebt eine Geschichte nicht vom Rascheln oder dem dumpfen Geruch des Papieres, auch nicht von der Haptik sondern von Buchstaben, die sich zu Worten und schließlich zu Sätzen formen und hoffentlich einen Sinn und zusammen eine spannende/interessante Lektüre ergeben.

Ich besitze die Gesamtausgabe von Franz Kafka. Das Werk misst 22 x 15 x 6 cm und wiegt mit seinen 1232 Seiten ganze 1078 Gramm. Wenn ich Sport machen möchte, gehe ich ins Fitnessstudio. Wenn ich abends im Bett lese, möchte ich mich auf den Text konzentrieren und nicht darauf, welche Lage am bequemsten und leichtesten ist, denn nach 10 Minuten wiegt Kafka schwer, nicht nur vom Stoff her… Daneben nehmen sich 213 Gramm doch wahrlich als Leichtgewicht aus und ich halte dann nicht nur Kafkas Werk in den Händen, sondern bis zu 1100 Bücher. Braucht man nicht, ist aber für Leseratten ein ausgesprochen gutes Gefühl.

Wir wollen dem eBook Reader eine Chance geben, ich finde nämlich, dass er eine ganz vortreffliche Sache ist. In diesem Fall handelt es sich um den Kindle, genau genommen um den Paperwhite.
Ich bin ehrlich, als ich meinen Kindle Paperwhite zum ersten Mal in den Händen hielt, war ich enttäuscht und dachte bei mir: “Gut, du hast zwei Wochen Zeit, ihn zu testen und sendest ihn dann zurück“. Nach ca. zwei Stunden war daran gar nicht mehr zu denken. Was mich vorderhand faszinierte, war das augenschonende Lesen. Mit der einzigartigen Frontallichttechnik wird das Display vom unteren Rand her komplett ausgeleuchtet. Man hat tatsächlich das Gefühl, auf gedrucktem Papier zu lesen. Kein grelles Licht wie bei einem Tablet, sondern ein angenehm ausgeleuchtetes Display, das eher wie ein Blatt Papier wirkt, das sanft von einer Leuchte angestrahlt wird. Das war schon mal ein großer Pluspunkt. Bisweilen lese ich mehrere Stunden und habe bisher kein Ermüden der Augen festgestellt. Es lässt sich bei direkter Sonne genauso wie abends im Bett in der Dunkelheit wirklich ausgezeichnet lesen. Zudem wird lediglich das Display ausgeleuchtet, sodass eventuelle Bettnachbarn nicht weiter beim Schlafen gestört werden. Zudem verfügt der neue Kindle im Gegensatz zu seinem Vorgänger 62% mehr Pixel. Die Schrift ist klar und deutlich. Einziger Nachteil (aber der ist wahrlich zu verkraften) ist die unregelmäßige Beleuchtung am unteren Rand, die sogenannte Wolkenbildung. Ich muss allerdings sagen, dass man diese nach häufiger Benutzung nicht mehr wahrnimmt. Zudem hat Amazon über diesen oft diskutierten Fauxpas extra eine Stellungnahme veröffentlicht.

Die Haptik ist großartig. Mal davon abgesehen, dass der Kindle lediglich 231 Gramm wiegt, hat er zudem ein schwarzes, griffiges Gehäuse, sodass der Reader nicht aus der Hand rutscht und wirklich nichts ins Gewicht fällt. Ihn lange Zeit im Liegen zu halten, ist kein Problem.
Der Kindle Paperwhite verfügt über einen kapazitiven Touchscreen. Jegliche Funktionen werden über das Display angesteuert. Einen Knopf zum Bedienen wird man vergeblich suchen, er besitzt lediglich ein On/Off Schalter in der Mitte des unteren Randes, um das Gerät an- und auszuschalten. Ein Homebutton wäre hilfreich gewesen. Zum Ausschalten noch ein Wort: Nach Bedienen des Knopfes geht der Paperwhite lediglich in einen Ruhezustand und zeigt eine Art Bildschirmschoner. In diesem Zustand allerdings könnte der Akku (laut Amazon) ohne erneute Aufladung 8 Wochen lang durchhalten. Die lange Akkulaufzeit wird von Amazon sehr angepriesen, wobei ich sagen muss, dass ich nicht drum rum komme, meinen Kindle alle drei bis vier Tage zu laden, obwohl ich Wlan ausschalte, wenn ich es nicht benötige. Allerdings habe ich ihn auch sehr oft in den Händen und lese recht häufig und viel. Genaue Angaben über die Akkulaufzeit kann ich an dieser Stelle also nicht anstellen.

Der Kindle tut, was man von ihm erwartet und konzentriert sich auf das Wesentliche. Er ist ein Lesegerät, darum wird man Lautsprecher und Kopfhörerbuchse (wie beim Kindle Touch/Fire integriert) beim Paperwhite vergeblich suchen. Rezensionen, die diese Tatsache negativ bewerten, sind für mich eher unbegreiflich. Wenn ich eBooks lesen möchte, jedoch auf Videos, Hörbücher, Musik und ggf das Surfen im Internet nicht verzichten möchte, nehme ich ein Tablet oder den Kindle Fire/Touch. Auch habe ich in einigen Rezensionen gelesen, dass auf dem Display des Kindles “bunte Flecken” zu sehen wären. Das habe ich auch festgestellt, jedoch mit der Zeit bin ich der Meinung, dass diese Flecken nicht auf dem Display entstehen, sondern unsere Augen sie quasi vortäuschen. Wer einen Kindel Paperwhite besitzt, möchte bitte beim Entdecken der Flecken die Augen kurz schließen und dann wieder auf das Display schauen. Er/sie wird bemerken, dass die Flecken sich verändert haben oder gänzlich verschwunden sind. Mit der Zeit nimmt man sie gar nicht mehr wahr.

Die Geschwindigkeit des Paperwhite ist phänomenal. Schneller kann man eine Buchseite nicht öffnen. Nicht mal eine Sekunde vergeht vom Einschalten bis zum Sichtbarwerden der zu lesenden Seite. Auch das Öffnen der Bücher oder daskindleschrift Herunterladen aus der Cloud geht schnell vonstatten (Wlan oder 3G vorausgesetzt). Als einen mehr oder minder großen Nachteil empfinde ich, dass der Kindle zum Beispiel das epub-Format nicht unterstützt. Jedoch gibt es auch hier Hilfe. Für meinen vorherigen Reader (Sony PRS) habe ich die Software Calibre benutzt, um meine eBooks auf dem Reader einzupflegen. Aus diesem Grund habe ich noch unzählige eBooks in epub-Format auf der Festplatte. Mit Calibre lassen sich diese Bücher ins Kindle-Format konvertieren und auf den Kindle per USB hochladen. Wie man das macht, seht ihr hier. Wie ihr ePub-eBooks auf dem Kindle eReader lesen könnt. (Achtet darauf, dass die eBooks im epub-Format nicht kopiergeschützt sind). Zudem bekommt ihr beim Bestellen eines Kindles über Amazon eine eMail-Adresse in der Form ****@kindle.com, an die ihr Dateien im PDF Format senden könnt, die dann auf dem Kindle unter “Dokumente” erscheinen. Tolle Sache.

Weitere hilfreiche Features des Kindles sind zum Beispiel der Lesefortschritt (Time to read) und das Markieren von Texten, das Anlegen und Teilen von Notizen oder das Nachschlagen in Lexiken und Wörterbüchern. Auch ist ein Beta-Browser mit an Bord, Wikipedia ist zudem integriert. Unzählige Wörterbücher werden mitgeliefert, andere können im Nachhinein auch noch erworben und integriert werden. Für englische Bücher habe ich mir z.B ein Deutsch-Englisch Wörterbuch gekauft, es in Sekunden installiert. Funktioniert tadellos. Time to read errechnet anhand der eigenen Lesegeschwindigkeit, wie lange man noch für das ganze Buch oder für das gerade gelesene Kapitel benötigt. Letzteres ist eventuell vor dem Schlafen ganz hilfreich, ob es noch lohnt, das Kapitel zu Ende zu lesen oder nicht. Das Einstellen der Schriftgröße und -art geht denkbar einfach. Man ziehe mit Daumen und Zeigefinger das Display auseinander und schon öffnet sich das Auswahlfenster und die Schrift vergrößert sich automatisch um eine Stelle. Umgekehrt – zieht man die Finger zusammen, verkleinert sich die Schrift und das Auswahlfenster öffnet sich. Auch kann man hier die Schriftart, den Zeileabstand und die Breite des Seitenrandes einstellen. Gut gelöst.

Der Homescreen ist schlicht und übersichtlich in zwei Bereiche gegliedert. Zum einen das Gerät, zum anderen die Cloud, also der Bereich, wo du die Bücher findest, die in die Amazon-Cloud geladen wurden, sich aber noch nicht auf dem Gerät befinden. Diese Cloud kann man bequem über den Amazon-Account pflegen. Zudem kann man sich unter kindle.amazon.com ein Profil einrichten, sich mit anderen verbinden und Bücher einpflegen, bewerten, anderen mitteilen (soz. Netzwerke), was man gerade liest und so weiter. Auf dem Kindle lassen sich die Bücher sortieren, auch kann man selber Sammlungen anlegen, um eine gewissen Übersicht über die (doch mit der Zeit) anschwellende eBook-Sammlung zu erhalten. Ich werde in diesem Beitrag nicht weiter auf die Handhabung des Readers eingehen, die erschließt sich einem von selbst. Auch kommt ein Handbuch auf dem Kindle gleich zu euch nach Hause, sodass ihr nachschlagen könnt. Im Grunde ist die Handhabung einfach und selbst klärend.

Amazon hält für den Leser unzählige kostenlose eBooks bereit, die man schnell und einfach auf den Kindle laden kann. Das kann zum einen über das Webinterface von Amazon geschehen oder über das Gerät selbst. Ich finde es über das Webinterface bequemer. In wenigen Sekunden hat man das eBook auf seinem Kindle und kann mit dem Lesen beginnen.
Kostenlose, deutsche eBooks: Sammlung

Prime-Mitglieder (kostet 29,- € jährlich) dürfen sich einmal monatlich ein Buch aus der Amazon-Leihbibliothek ausleihen. Extra dafür eine Prime-Mitgliedschaft zu erwerben, finde ich persönlich unsinnig. Ich habe gelesen, dass die Leihbibliothek keinerlei aktuelle Bestseller zum Ausleihen anbietet.

Den Paperwhite gibt es in der Wlan-Ausführung (129 Euro) oder als 3G Version (189 Euro) . Letzterer kostet zwar 60 Euro mehr, ist aber für Kunden, die kein Wlan daheim haben, sehr interessant. Es kommen keine weiteren Kosten auf einen zu, 3G- Anbindung und die Kosten zahlt Amazon. So kann man weltweit Bücher runterladen, ohne auf eine Wlan-Verbindung angewiesen zu sein.

Fazit: Für Vielleser ist der Kindle Paperwhite eine sehr gute Investition. Möchte man jedoch auch Videos, Hörbücher und Musik genießen, wäre man mit einem Kindle Touch/Fire oder gar einem Tablet besser bedient. Er ist handlich, leicht zu bedienen, die Akkulaufzeit ist gut bis sehr gut, das satinierte Paperwhite-Display ist – trotz seiner kleinen Macken – wirklich gut und ermöglicht ermüdungsfreies Lesen.

(Bildquellen: amazon.de)

Rezension: “Selbstmord auf Raten” von Nora Ludwig


Rezension “Selbstmord auf Raten” – Nora Ludwig

noraAls Tochter eines alkoholkranken Vaters war es mir wichtig, auch mal die andere Seite betrachten zu dürfen und Einblick in die Seele eines Alkoholikers aus seiner Sicht zu erhalten, um zu verstehen.
Nora Ludwig ist es gelungen, ohne Effekthascherei und in einfachen, aussagekräftigen Sätzen ihr Leben mit der Alkoholsucht zu schildern. Ohne beim Leser Mitleid erregen zu wollen oder Entschuldigungen zu finden, beschreibt sie ihr Leben – beginnend in der Kindheit.
Nora Ludwig verlebt eine Kindheit mit Eltern, die ihr bereits in jungen Jahren die Problembekämpfung mittels Alkohol vorlebten. Mutter und Vater betrachteten den Alkohol als Kommunikationsersatz. Negative Gefühle wurden im Alkohol ertränkt und Dispute wurden einfach weggesoffen.
Sie schließt die Schule ab, macht ihr Abitur und studiert an der Rostocker Universität Betriebswirtschaft. Um dem Elternhaus zu entkommen und sicher auch, um ihre Sehnsucht nach Liebe und Aufmerksamkeit zu stillen, entschließt sie sich als Jugendliche zu heiraten. Keine Liebesheirat. Eher eine Flucht – und die Möglichkeit, ein halbwegs normales Leben zu führen. Ohne Alkohol.
Nora ist eine Perfektionistin. Sie will es allen recht machen (in erster Linie sich selbst) und sie will vor allem alles richtig machen. Während des Studiums wird sie Mutter und stellt schnell fest, dass sie der zusätzlichen Anforderung, die das Dasein als Mutter und Ehefrau mit sich bringt, nicht gewachsen ist. Der Ehemann, dessen Werben sie nachgegeben hat und der von ihr aus logischen, nicht jedoch emotionalen Gründen gewählt wurde, entpuppt sich nach und nach als Tyrann. Und nun schlich sich das in ihr Leben ein, was ihr seit der Kindheit so verhasst war und dem sie geschworen hat, nie zu verfallen. Der Alkohol.
Im weiteren Verlauf des Buches schildert Nora Ludwig schonungslos ihren schleichenden Abstieg. Sie verliert ihre Kinder. Das Jugendamt entscheidet, dass ihre Söhne zu ihren Vater nach Österreich gehen. Ich empfand diese Schilderung im Buch als eine der schlimmsten, wie sie dem Auto nachschaute, in dem ihre Söhne saßen. Das erste Weihnachtsfest ohne Kinder. Beruflich steigt Nora Ludwig von der ökonomischen Leiterin zur Putzfrau ab. Auch haben mich die Ausführungen (teilweise extrem detailliert) ihrer Exzesse schockiert, die körperlichen Reaktionen, die sie eindrucksvoll und bildhaft beschreibt. Durch die Zeilen drang immer wieder ein Wort zu mir durch: Einsamkeit.
Nach dem Lesen dieses Buches wird man sicher so manchen Alkoholiker vor dem Imbiss, Discounter oder in den schmutzigen Ecken mit anderen Augen sehen. Kein Alkoholiker hat sich dieses Leben und seine Sucht ausgesucht. Wir dürfen diese Menschen nicht als schmuddelige Randgesellschaft betrachten und müssen verstehen lernen, dass Alkoholismus eine Krankheit ist.

 

Broschiert: 84 Seiten
Verlag: Adebor; Auflage: 1 (27. März 2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3981454227
ISBN-13: 978-3981454222

Andrea Maria Schenkel’s Roman: Tannöd (Rezension: Daniela Wegert)


tannoedDer Roman “Tannöd” von Andrea Maria Schenkel basiert auf der wahren Geschichte der Gruber-Familie, die in der Nacht vom 31. März zum 1. April 1922 auf dem Einödhof Hinterkaifeck erschlagen aufgefunden und dessen Mörder nie gefasst wurde. Die Eltern, die Tochter, deren zwei Kinder sowie die Magd, die an jenem Abend den Einödhof zum ersten Mal aufsuchte und für eine gewissen Zeit dort arbeiten sollte, wurden mit einer sogenannten Reuthaue erschlagen. Tatverdächtige und solche, die ein Motiv gehabt hätten, gab es viele. Bis heute ist der Mordfall HINTERKAIFECK ein Mysterium und beschäftigt neben Filmemachern und Schriftstellern selbst Internet-Communities, wo viele Fakten zusammen getragen werden und Hobbydetektiv noch heute versuchen, Licht in den Fall Hinterkaifeck zu bringen.

Andrea Maria Schenkel nahm den Fall Hinterkaifeck als Romangrundlage, verlegte ihn aber auf die 50er Jahre. Die Namen der Opfer wurden alle geändert.

Das Buch berichtet in einer sehr gewöhnungsbedürftigen und mir bisher eher unbekannten Art und Weise (für einen Roman) über den Tag des Mordes und die Tage danach. Mehr oder weniger in den Fall involvierte Menschen geben in einer Art monologischem Interview Statements bezüglich der Opfer ab, beschreiben, wie sie sie zu Lebzeiten erlebt haben, welche Beziehungen sie zu ihnen hatten oder was sie fühlten, als sie die Opfer auffanden. Zeitlich springt A.M Schenkel gewaltig – mal schreibt sie minutiös, dann springt sie wieder zurück, dann wieder vor. Allerdings folgt man als Leser recht schnell und es tut dem Verstehen keinen Abbruch, auch wenn ich es zwischenzeitlich als nervig empfunden habe. Zwischen den interviewartigen Kapiteln folgen wiederum Kapitel aus der Sicht Dritter (u.a. dem Täter) oder der Autorin. Der Fall Hinterkaifeck (der mir sehr gut bekannt ist) wird eigentlich sehr gut beschrieben, so wie der wahre Fall bisher nachgezeichnet werden konnte. Nur gibt A.M. Schenkel am Ende dieses Romans im Gegensatz zum wahren Mordfall einen Täter preis – was ich in Anbetracht dessen, dass es sich bei diesem Roman beinahe um eine 1zu1 Adaption eines wahren Kriminalfalles handelt, doch ein wenig verwegen finde. Zwar stand dieser Verdächtige auch nach dem wahren Mordfall damals unter Verdacht, jedoch wurde seine Schuld nie bewiesen. Auch wenn Tannöd wohl letztendlich ein “fiktiver” Roman (Zeit- und Namensänderungen) sein soll, sind die Parallelen zum Mordfall Hinterkaifeck gravierend und basieren ja schließlich auch darauf. Ich weiß nicht, ob es klug war, hier durch die Blume den (und der ist wohl in diesem Fall gemeint) Verdächtigen Lorenz Schlittenbauer (den Namen, den er im Buch trägt, verrate ich hier natürlich nicht) zum Schuldigen zu machen. Auch ist bis heute nicht bekannt, wer die Dachziegel verschob, den (Flucht-)Strick befestigte und von wem die Kuhlen im Heu auf dem Dachboden stammen. A.M. Schenkel beschreibt im Roman einen Landstreicher, der sich unbemerkt auf dem Dachboden einquartiert hatte, um im rechten Augenblick die wohlhabende Familie zu berauben und der den Mord aus dieser Position heraus beobachtete.

Wer einen üblichen, spannenden Kriminalroman erwartet, wird bei diesem Buch eventuell enttäuscht sein. Zum einen erlaubt die Erzählweise (Monologe) den Spannungsaufbau nicht. Es ist eher eine chronologische Aufzeichnung der Tatnacht bis zum Auffinden der Leichen. Kein Spannungsaufbau. Das mag aber auch nur ich so empfinden, da mir der Mordfall Hinterkaifeck bekannt ist und ich das Lesen vielleicht zu sehr auf mein Wissen bezog. A.M. Schenkels Schreibstil ist sehr kurz, ohne kitschige Zusätze. Wenn die Autorin die Menschen in ihren Monologen sprechen lässt, nehmen diese zum Teil den regional bezogenen Satzbau an, der sich vom Hochdeutschen doch etwas unterscheidet, jedoch verzichtete sie auf den oberbayrischen Dialekt, den wohl kaum einer verstände. Das hat mir eigentlich recht gut gefallen. Auch kommen die Düsterheit und Beklemmung recht gut rüber, auch wenn es bei diesem Buch letztendlich nicht viel rausreißt.
Was mich sehr gestört hat, ist das “Aufbauschen” des eh schon schmalen Büchleins mit Gebetsfloskeln. Ich weiß nicht, ob das hätte sein müssen. Aber eine Seite ist schnell überschlagen.

Mein Fazit: Das Buch ist bei knapp 120 Seiten schnell gelesen – die Spannung hat mir gefehlt, schließlich ist es kein Tatsachenbericht, sondern ein Kriminalroman! Hätte sich die Autorin entschieden, auf diese Weise eine Art Dokumentation des Falles zu erstellen, hätte ich gewusst, was auf mich zukommt. Ich habe aber einen Kriminalroman erwartet – und der bedeutet für mich in erster Linie Spannung.

Taschenbuch: 192 Seiten
Verlag: btb TB (4. Februar 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442736730
ISBN-13: 978-3442736737

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Rezension: Fadenwürde (Lyrik) von Norbert Sternmut


fadenwürdeRezension: Fadenwürde von Norbert Sternmut
Kategorie: Lyrik & Prosa

[Cover Fadenwürde]

Fadenwürde (Lyrik)
Autor: Norbert Sternmut

Beinahe ohne Punkt und Komma kommt Norbert Sternmuts neuer Lyrikband “Fadenwürde” daher und eröffnet den Lesern gerade dadurch immer wieder neue interessante Interpretationsmöglichkeiten und Sichtweisen der einzelnen Sternmut-Werke.

Wie auch in seinen Lyrikbänden zuvor belässt der Autor es nicht dabei, dem Leser ein bildlich perfekt (b)geschriebenes Gedicht vor Augen zu halten, sondern lädt mit jeder Zeile neu zum Nachdenken und Neuninterpretieren ein. Sternmut wünscht eher den Zugang über ein Gefühl, nicht immer nur über die Vernunft, den Verstand – den Denkgeist. Der Autor sagt dazu: “Die kommen teilweise aus einer psychoanalytischen Tiefe, auch wenn sich andere sicherlich leichter zuordnen lassen: “Amok” zum Beispiel.”

Zum Titel “Fadenwürde” ließ sich Norbert Sternmut zum einen von Bob Dylan und seinem Song “Dignity” inspiriert, dann auch von Celans “Fadensonnen”.

Sternmut beweist mit seinem Lyrikband “Fadenwürde” wieder einmal eindrucksvoll, dass er sich nicht umsonst zu den bedeutendsten deutschen Gegenwartslyrikern unserer Zeit zählen darf.

Taschenbuch: 98 Seiten
Verlag: Pop, Traian; Auflage: 1 (17. Februar 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3937139672
ISBN-13: 978-3937139678

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Norbert Sternmut: Marlies (Rezension: Daniela Wegert)


Tiefgehen, emotional, nihilistisch

marliesMarlies ist wieder da!
“Marlies” ist die Fortsetzung des Romans “Der Tote im Park”, den es jedoch nicht braucht, um “Marlies” zu folgen.

Sternmut besticht durch brillante bildhafte Sprache, durch viel Metaphorisches und beides ist ein Genuss, da treffend und stilsicher.

Jahre sind vergangen. Im Leben des erzählenden Schriftstellers Norman hat sich einiges geändert. Er führt nun ein bürgerliches Dasein, hat Frau und Kinder, doch scheint es dem geneigten Leser, als belüge sich der Schriftsteller selbst, wenn er von seinem jetzigen Leben schwärmt. Seine Frau Regina bietet ihm einen Rahmen, in dem er lebensfähig ist. Doch glaubt er sie nicht zu lieben. Er liebt scheinbar Marlies, was ihm schlagartig klar wird, als sie nach Jahren wieder bei ihm vor der Tür steht. Die “Liebe” – eine groteske Mischung aus Geilheit, Leidenschaft und Untergang, der er sich nicht entziehen kann, und wenn er an ihr zugrunde ginge.
Er hat die Wahl:
Entweder das seichte, lange Leben an Reginas Seite, leidenschaftslos, dafür sicher, geordnet und geborgen
oder das kurze, verrückte Dasein an Marlies Seite, voller Leidenschaft und Trieben.
Höllenfahrten. Apfelkuchen oder Sachertorte. Sekt oder Champagner.
Langeweile oder ein erfülltest Dasein, kurz aber den Trieben und Träumen entsprechend?
Marlies ist die Herausforderung, die den Schriftsteller Norman an seine Grenzen führt, sie ist seine Hure, seine Muse und Inspiration, sein Steigen und Fallen, sein Leben und Sterben,
all dass, was der Schriftsteller braucht, um aus seiner Schreibhemmung wieder sprachliche Bilder zu formen.

Marlies ist wieder da…
und Eva Adam ist tot. Der werte Herr Inspektor, der auch in “Der Tote im Park” die Ermittlung aufnahm, spielt auch in diesem Roma wieder seine Rolle.
Der werte Herr Inspektor, des Schriftstellers geheimes Vorbild, dem er nacheiferte. Frau, zwei Kinder. Der es schon im ersten Buch nicht schaffte, die Morde aufzuklären. Schafft er es nun im Mordfall “Eva Adam”? Und… welche Rolle spielt Marlies? Ja, gab es überhaupt Tote?
Wie wirklich ist die Wirklichkeit?

Mich hat dieser Roman allein schon wegen der brillanten Sprache Sternmuts und der wechselnden Perspektive des Erzählers fasziniert. Es ist nicht immer leicht zu lesen, zu folgen und zu verstehen. Aber auch – oder gerade dies macht den Roman so lesenswert.
Bisweilen humorvoll, anderseits nihilistisch und gar morbide beschreibt Sternmut Gefühle eines Menschen zwischen Liebe und Abneigung so brillant und unterhaltsam, dass ich diesen Roman jedem ans Herz lege, der sich stilvoll unterhalten möchte und literarischen Anspruch zu schätzen weiß.

Gebundene Ausgabe: 330 Seiten
Verlag: Wiesenburg Verlag; Auflage: 1., Aufl. (11. Juli 2003)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3932497899
ISBN-13: 978-3932497896

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