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Rezension: “Selbstmord auf Raten” von Nora Ludwig


Rezension “Selbstmord auf Raten” – Nora Ludwig

noraAls Tochter eines alkoholkranken Vaters war es mir wichtig, auch mal die andere Seite betrachten zu dürfen und Einblick in die Seele eines Alkoholikers aus seiner Sicht zu erhalten, um zu verstehen.
Nora Ludwig ist es gelungen, ohne Effekthascherei und in einfachen, aussagekräftigen Sätzen ihr Leben mit der Alkoholsucht zu schildern. Ohne beim Leser Mitleid erregen zu wollen oder Entschuldigungen zu finden, beschreibt sie ihr Leben – beginnend in der Kindheit.
Nora Ludwig verlebt eine Kindheit mit Eltern, die ihr bereits in jungen Jahren die Problembekämpfung mittels Alkohol vorlebten. Mutter und Vater betrachteten den Alkohol als Kommunikationsersatz. Negative Gefühle wurden im Alkohol ertränkt und Dispute wurden einfach weggesoffen.
Sie schließt die Schule ab, macht ihr Abitur und studiert an der Rostocker Universität Betriebswirtschaft. Um dem Elternhaus zu entkommen und sicher auch, um ihre Sehnsucht nach Liebe und Aufmerksamkeit zu stillen, entschließt sie sich als Jugendliche zu heiraten. Keine Liebesheirat. Eher eine Flucht – und die Möglichkeit, ein halbwegs normales Leben zu führen. Ohne Alkohol.
Nora ist eine Perfektionistin. Sie will es allen recht machen (in erster Linie sich selbst) und sie will vor allem alles richtig machen. Während des Studiums wird sie Mutter und stellt schnell fest, dass sie der zusätzlichen Anforderung, die das Dasein als Mutter und Ehefrau mit sich bringt, nicht gewachsen ist. Der Ehemann, dessen Werben sie nachgegeben hat und der von ihr aus logischen, nicht jedoch emotionalen Gründen gewählt wurde, entpuppt sich nach und nach als Tyrann. Und nun schlich sich das in ihr Leben ein, was ihr seit der Kindheit so verhasst war und dem sie geschworen hat, nie zu verfallen. Der Alkohol.
Im weiteren Verlauf des Buches schildert Nora Ludwig schonungslos ihren schleichenden Abstieg. Sie verliert ihre Kinder. Das Jugendamt entscheidet, dass ihre Söhne zu ihren Vater nach Österreich gehen. Ich empfand diese Schilderung im Buch als eine der schlimmsten, wie sie dem Auto nachschaute, in dem ihre Söhne saßen. Das erste Weihnachtsfest ohne Kinder. Beruflich steigt Nora Ludwig von der ökonomischen Leiterin zur Putzfrau ab. Auch haben mich die Ausführungen (teilweise extrem detailliert) ihrer Exzesse schockiert, die körperlichen Reaktionen, die sie eindrucksvoll und bildhaft beschreibt. Durch die Zeilen drang immer wieder ein Wort zu mir durch: Einsamkeit.
Nach dem Lesen dieses Buches wird man sicher so manchen Alkoholiker vor dem Imbiss, Discounter oder in den schmutzigen Ecken mit anderen Augen sehen. Kein Alkoholiker hat sich dieses Leben und seine Sucht ausgesucht. Wir dürfen diese Menschen nicht als schmuddelige Randgesellschaft betrachten und müssen verstehen lernen, dass Alkoholismus eine Krankheit ist.

 

Broschiert: 84 Seiten
Verlag: Adebor; Auflage: 1 (27. März 2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3981454227
ISBN-13: 978-3981454222

550 Hörbücher zum kostenlosen Download

15. Oktober 2009 2 Kommentare

vorleserLiteratur zum Hören – und das kostenlos.

Auf vorleser.net findet ihr eine unglaubliche Auswahl an Hörbüchern, gelesenen Kurzgeschichten und Lyrik zum kostenlosen und vor allem legalen Download in CD Qualität. Meines Wissens ist vorleser.net das einzige Angebot dieser Art mit einer schier überwältigenden Auswahl an MP3s.

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Mary Shelleys “Frankenstein”
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Ich wünsche viel Spaß beim (Zu)Hören.

Zukunft des Buchhandels?

28. Juli 2009 2 Kommentare

(K)Eine utopische Vorstellung. Der kaufwillige Leser geht in eine Buchandlung, ihn erwarten keine mit Büchern vollgestopften Regale, sondern Laptops, die dem geneigten Leser per Datenbank (im wahrsten Sinne des Wortes) die Buchwelt präsentiert. Der Kunde stöbert in zig-Millionen Büchern, sucht sein Buch aus, klickt es an und läßt es direkt drucken. Das Ganze innerhalb von etwa 80 Sekunden – komplett mit Coverdruck und Leimen des Buches. Eine utopische Vorstellung? Nein!

Im ‘Blackwell’-Buchladen in der Londoner Charing Cross Road ist dies bereits Realität.

Der silicon.com-Redakteur Tim Ferguson war mal vor Ort und hat sich das Ganze angeschaut.

Zum Artikel

Die Idee ansich (als zusätzlichen Service einer Buchhandlung) finde ich persönlich großartig, zumal viele NoName Autoren ihre Werke in den Regalen alternativer Buchandlungen nicht finden werden. Viele Bücher unbekannter Autoren sind lediglich über deren Verlag oder/und den üblichen Onlinenbuchhandlungen erhältlich. Zwar lassen sich diese (ISBN vorausgesetzt) auch in der Buchandlung um die Ecke bestellen, jedoch dauert es bisweilen Tage, bis der Leser dieses in den Händen hält. Auch ist es Buchhandlungen nicht möglich, die schier unerschöpfliche Auswahl an Büchern auf ihren begrenzten Verkaufsflächen anzubieten. Mit diesem Konzept als zusätzlichen Service könnte zukünftig die Beschränkung der angebotenen Titel nahezu aufgehoben werden. Allerdings möchte ich auf das Stöbern in den Bücherreaglen nicht verzichten.

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