Kindle Paperwhite


paperwhite

Sicherlich können wir uns Neuerungen gegenüber verschließen und in Nostalgie schwelgen, weil Althergebrachtes nun mal unser Leben begleitet hat und so manch liebgewordene Erinnerung daran hängt. Was das Lesen betrifft, scheinen viele sich von “ich brauche den Duft des Buches oder das Rascheln des Papieres” nicht lösen zu können, zumindest lese ich häufig derlei Aussagen auf Facebook&Co. Man könne sich nun so gar nicht vorstellen, so ein Plastikteil namens eBook Reader in den Händen zu halten… nein nein, das würde den literarischen Genuss völlig verderben. Nur lebt eine Geschichte nicht vom Rascheln oder dem dumpfen Geruch des Papieres, auch nicht von der Haptik sondern von Buchstaben, die sich zu Worten und schließlich zu Sätzen formen und hoffentlich einen Sinn und zusammen eine spannende/interessante Lektüre ergeben.

Ich besitze die Gesamtausgabe von Franz Kafka. Das Werk misst 22 x 15 x 6 cm und wiegt mit seinen 1232 Seiten ganze 1078 Gramm. Wenn ich Sport machen möchte, gehe ich ins Fitnessstudio. Wenn ich abends im Bett lese, möchte ich mich auf den Text konzentrieren und nicht darauf, welche Lage am bequemsten und leichtesten ist, denn nach 10 Minuten wiegt Kafka schwer, nicht nur vom Stoff her… Daneben nehmen sich 213 Gramm doch wahrlich als Leichtgewicht aus und ich halte dann nicht nur Kafkas Werk in den Händen, sondern bis zu 1100 Bücher. Braucht man nicht, ist aber für Leseratten ein ausgesprochen gutes Gefühl.

Wir wollen dem eBook Reader eine Chance geben, ich finde nämlich, dass er eine ganz vortreffliche Sache ist. In diesem Fall handelt es sich um den Kindle, genau genommen um den Paperwhite.
Ich bin ehrlich, als ich meinen Kindle Paperwhite zum ersten Mal in den Händen hielt, war ich enttäuscht und dachte bei mir: “Gut, du hast zwei Wochen Zeit, ihn zu testen und sendest ihn dann zurück“. Nach ca. zwei Stunden war daran gar nicht mehr zu denken. Was mich vorderhand faszinierte, war das augenschonende Lesen. Mit der einzigartigen Frontallichttechnik wird das Display vom unteren Rand her komplett ausgeleuchtet. Man hat tatsächlich das Gefühl, auf gedrucktem Papier zu lesen. Kein grelles Licht wie bei einem Tablet, sondern ein angenehm ausgeleuchtetes Display, das eher wie ein Blatt Papier wirkt, das sanft von einer Leuchte angestrahlt wird. Das war schon mal ein großer Pluspunkt. Bisweilen lese ich mehrere Stunden und habe bisher kein Ermüden der Augen festgestellt. Es lässt sich bei direkter Sonne genauso wie abends im Bett in der Dunkelheit wirklich ausgezeichnet lesen. Zudem wird lediglich das Display ausgeleuchtet, sodass eventuelle Bettnachbarn nicht weiter beim Schlafen gestört werden. Zudem verfügt der neue Kindle im Gegensatz zu seinem Vorgänger 62% mehr Pixel. Die Schrift ist klar und deutlich. Einziger Nachteil (aber der ist wahrlich zu verkraften) ist die unregelmäßige Beleuchtung am unteren Rand, die sogenannte Wolkenbildung. Ich muss allerdings sagen, dass man diese nach häufiger Benutzung nicht mehr wahrnimmt. Zudem hat Amazon über diesen oft diskutierten Fauxpas extra eine Stellungnahme veröffentlicht.

Die Haptik ist großartig. Mal davon abgesehen, dass der Kindle lediglich 231 Gramm wiegt, hat er zudem ein schwarzes, griffiges Gehäuse, sodass der Reader nicht aus der Hand rutscht und wirklich nichts ins Gewicht fällt. Ihn lange Zeit im Liegen zu halten, ist kein Problem.
Der Kindle Paperwhite verfügt über einen kapazitiven Touchscreen. Jegliche Funktionen werden über das Display angesteuert. Einen Knopf zum Bedienen wird man vergeblich suchen, er besitzt lediglich ein On/Off Schalter in der Mitte des unteren Randes, um das Gerät an- und auszuschalten. Ein Homebutton wäre hilfreich gewesen. Zum Ausschalten noch ein Wort: Nach Bedienen des Knopfes geht der Paperwhite lediglich in einen Ruhezustand und zeigt eine Art Bildschirmschoner. In diesem Zustand allerdings könnte der Akku (laut Amazon) ohne erneute Aufladung 8 Wochen lang durchhalten. Die lange Akkulaufzeit wird von Amazon sehr angepriesen, wobei ich sagen muss, dass ich nicht drum rum komme, meinen Kindle alle drei bis vier Tage zu laden, obwohl ich Wlan ausschalte, wenn ich es nicht benötige. Allerdings habe ich ihn auch sehr oft in den Händen und lese recht häufig und viel. Genaue Angaben über die Akkulaufzeit kann ich an dieser Stelle also nicht anstellen.

Der Kindle tut, was man von ihm erwartet und konzentriert sich auf das Wesentliche. Er ist ein Lesegerät, darum wird man Lautsprecher und Kopfhörerbuchse (wie beim Kindle Touch/Fire integriert) beim Paperwhite vergeblich suchen. Rezensionen, die diese Tatsache negativ bewerten, sind für mich eher unbegreiflich. Wenn ich eBooks lesen möchte, jedoch auf Videos, Hörbücher, Musik und ggf das Surfen im Internet nicht verzichten möchte, nehme ich ein Tablet oder den Kindle Fire/Touch. Auch habe ich in einigen Rezensionen gelesen, dass auf dem Display des Kindles “bunte Flecken” zu sehen wären. Das habe ich auch festgestellt, jedoch mit der Zeit bin ich der Meinung, dass diese Flecken nicht auf dem Display entstehen, sondern unsere Augen sie quasi vortäuschen. Wer einen Kindel Paperwhite besitzt, möchte bitte beim Entdecken der Flecken die Augen kurz schließen und dann wieder auf das Display schauen. Er/sie wird bemerken, dass die Flecken sich verändert haben oder gänzlich verschwunden sind. Mit der Zeit nimmt man sie gar nicht mehr wahr.

Die Geschwindigkeit des Paperwhite ist phänomenal. Schneller kann man eine Buchseite nicht öffnen. Nicht mal eine Sekunde vergeht vom Einschalten bis zum Sichtbarwerden der zu lesenden Seite. Auch das Öffnen der Bücher oder daskindleschrift Herunterladen aus der Cloud geht schnell vonstatten (Wlan oder 3G vorausgesetzt). Als einen mehr oder minder großen Nachteil empfinde ich, dass der Kindle zum Beispiel das epub-Format nicht unterstützt. Jedoch gibt es auch hier Hilfe. Für meinen vorherigen Reader (Sony PRS) habe ich die Software Calibre benutzt, um meine eBooks auf dem Reader einzupflegen. Aus diesem Grund habe ich noch unzählige eBooks in epub-Format auf der Festplatte. Mit Calibre lassen sich diese Bücher ins Kindle-Format konvertieren und auf den Kindle per USB hochladen. Wie man das macht, seht ihr hier. Wie ihr ePub-eBooks auf dem Kindle eReader lesen könnt. (Achtet darauf, dass die eBooks im epub-Format nicht kopiergeschützt sind). Zudem bekommt ihr beim Bestellen eines Kindles über Amazon eine eMail-Adresse in der Form ****@kindle.com, an die ihr Dateien im PDF Format senden könnt, die dann auf dem Kindle unter “Dokumente” erscheinen. Tolle Sache.

Weitere hilfreiche Features des Kindles sind zum Beispiel der Lesefortschritt (Time to read) und das Markieren von Texten, das Anlegen und Teilen von Notizen oder das Nachschlagen in Lexiken und Wörterbüchern. Auch ist ein Beta-Browser mit an Bord, Wikipedia ist zudem integriert. Unzählige Wörterbücher werden mitgeliefert, andere können im Nachhinein auch noch erworben und integriert werden. Für englische Bücher habe ich mir z.B ein Deutsch-Englisch Wörterbuch gekauft, es in Sekunden installiert. Funktioniert tadellos. Time to read errechnet anhand der eigenen Lesegeschwindigkeit, wie lange man noch für das ganze Buch oder für das gerade gelesene Kapitel benötigt. Letzteres ist eventuell vor dem Schlafen ganz hilfreich, ob es noch lohnt, das Kapitel zu Ende zu lesen oder nicht. Das Einstellen der Schriftgröße und -art geht denkbar einfach. Man ziehe mit Daumen und Zeigefinger das Display auseinander und schon öffnet sich das Auswahlfenster und die Schrift vergrößert sich automatisch um eine Stelle. Umgekehrt – zieht man die Finger zusammen, verkleinert sich die Schrift und das Auswahlfenster öffnet sich. Auch kann man hier die Schriftart, den Zeileabstand und die Breite des Seitenrandes einstellen. Gut gelöst.

Der Homescreen ist schlicht und übersichtlich in zwei Bereiche gegliedert. Zum einen das Gerät, zum anderen die Cloud, also der Bereich, wo du die Bücher findest, die in die Amazon-Cloud geladen wurden, sich aber noch nicht auf dem Gerät befinden. Diese Cloud kann man bequem über den Amazon-Account pflegen. Zudem kann man sich unter kindle.amazon.com ein Profil einrichten, sich mit anderen verbinden und Bücher einpflegen, bewerten, anderen mitteilen (soz. Netzwerke), was man gerade liest und so weiter. Auf dem Kindle lassen sich die Bücher sortieren, auch kann man selber Sammlungen anlegen, um eine gewissen Übersicht über die (doch mit der Zeit) anschwellende eBook-Sammlung zu erhalten. Ich werde in diesem Beitrag nicht weiter auf die Handhabung des Readers eingehen, die erschließt sich einem von selbst. Auch kommt ein Handbuch auf dem Kindle gleich zu euch nach Hause, sodass ihr nachschlagen könnt. Im Grunde ist die Handhabung einfach und selbst klärend.

Amazon hält für den Leser unzählige kostenlose eBooks bereit, die man schnell und einfach auf den Kindle laden kann. Das kann zum einen über das Webinterface von Amazon geschehen oder über das Gerät selbst. Ich finde es über das Webinterface bequemer. In wenigen Sekunden hat man das eBook auf seinem Kindle und kann mit dem Lesen beginnen.
Kostenlose, deutsche eBooks: Sammlung

Prime-Mitglieder (kostet 29,- € jährlich) dürfen sich einmal monatlich ein Buch aus der Amazon-Leihbibliothek ausleihen. Extra dafür eine Prime-Mitgliedschaft zu erwerben, finde ich persönlich unsinnig. Ich habe gelesen, dass die Leihbibliothek keinerlei aktuelle Bestseller zum Ausleihen anbietet.

Den Paperwhite gibt es in der Wlan-Ausführung (129 Euro) oder als 3G Version (189 Euro) . Letzterer kostet zwar 60 Euro mehr, ist aber für Kunden, die kein Wlan daheim haben, sehr interessant. Es kommen keine weiteren Kosten auf einen zu, 3G- Anbindung und die Kosten zahlt Amazon. So kann man weltweit Bücher runterladen, ohne auf eine Wlan-Verbindung angewiesen zu sein.

Fazit: Für Vielleser ist der Kindle Paperwhite eine sehr gute Investition. Möchte man jedoch auch Videos, Hörbücher und Musik genießen, wäre man mit einem Kindle Touch/Fire oder gar einem Tablet besser bedient. Er ist handlich, leicht zu bedienen, die Akkulaufzeit ist gut bis sehr gut, das satinierte Paperwhite-Display ist – trotz seiner kleinen Macken – wirklich gut und ermöglicht ermüdungsfreies Lesen.

(Bildquellen: amazon.de)

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  1. Ziska
    1. März 2013 um 14:59

    Kindle ist Betrug am Leser: der bekommt die Bücher nämlich nur geliehen zu einem Preis wie gekauft.

  2. 1. März 2013 um 15:11

    Danke für die superinformative Rezension! Ich habe einen Touch, mit dem ich auch wirklich glücklich bin, liebäugle aber schon länger mit dem Paperwhite. Hm, gerade hast du mich wirklich überzeugt, glaube ich.

  3. 1. März 2013 um 15:11

    Yalda Lewin :
    Danke für den superinformativen Beitrag Ich habe einen Touch, mit dem ich auch wirklich glücklich bin, liebäugle aber schon länger mit dem Paperwhite. Hm, gerade hast du mich wirklich überzeugt, glaube ich.

  4. Anonym
    5. April 2013 um 00:03

    Vielen Dank, für die ausführliche Rezension. Dicke Bücher abends im Bett zu lesen ,scheitert bei mir an dem geschilderten Gewichtsproblem, das sich im übrigen auch beim Lesen auf meinem Ipad ergibt. Das Display des Ipads ist zudem im Sonnenlicht schwer ablesbar. Da scheint ja jetzt der paperwhite des Pudels Kern zu sein. Prima!

  5. Anonym
    26. April 2013 um 22:02

    @ Ziska

    dann ist JEDER ebookreader Betrug am Leser, denn mit ebooks erkauft man sich immer nur ein Leserecht – unabhängig vom ebookReader, den ich dafür nutze!

  6. Carina
    31. Juli 2013 um 16:46

    Vielleicht noch eine Kleinigkeit – die ich ganz toll finde. Mit dem Kindle Paperwhite 3G kann man auch weltwelt, gratis (Amazon bezahlt’s) in Wikiepedia nachschlagen, auch ohne WLAN. Dazu muss die Adresse aber de.wikipedia.org oder en.wikipedia.org (etc. für alle anderen Sprachen). http://www.wikipedia.de funktioniert meines Wissens nicht. Finde ich superpraktisch im Urlaub, wenn man sich schnell mal etwas über Sehenswürdigkeiten ansehen möchte.

  7. Pieri-Chaussy
    1. April 2014 um 09:46

    Gestern einen Kindle bekommen doch das Bild bleibt weiss. Oben links steht nur Mein Kindle und sonst nix. Was tun ?

  8. Daniela Wegert
    12. Juni 2014 um 10:39

    Bist du denn mal auf “Mein Kindle” gegangen? Was passiert dann?

  1. 15. März 2013 um 15:50

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