Soziale Exekution – Der Fall Kachelmann
Die Verleumdung ist wie Kohle: auch wenn sie nicht brennt, so schwärzt sie doch…
Es gibt kein Pro und kein Kontra… kein schuldig und kein unschuldig, bis nicht ein Gericht geklärt hat, was wirklich vorgefallen ist und solange kein Urteil gefällt wurde. Dass dies jedoch bereits in der Öffentlichkeit geschehen ist, ist nicht von der Hand zu weisen. Dass ein Jörg Kachelmann, egal wie das Urteil aussehen wird, schon jetzt ein gebrochener Mann ist und selbst nach einem eventuellen Freispruch nie wieder in der Medienwelt Fuß fassen wird, ist ein Fakt. Was hier geschieht, ist eine soziale Exekution. Dies betrifft nicht nur Herrn Kachelmann, sondern auch das mutmaßliche Opfer.
Auch wenn viele im Netz und in der allgemeinen Medienwelt meinen, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben, finde ich die momentane Hatz um den Meteorologen Jörg Kachelmann beinahe schon kriminell. Gleichfalls die Hatz gegen das mutmaßliche Opfer, die in sozialen Netzwerken ein unerträgliches Ausmaß annimmt, wo jeder, der meint Bescheid zu wissen, seinen unsozialen und dummen Senf dazu gibt. Da ist man mittendrin, da ist man dabei – auch wenn das Gericht die Pforten an den Verhandlungstagen schließt. Als Otto-Normal verschießt man dann sein unangebrachtes Gesülz auf Facebook, hetzt gegen das Opfer oder lässt sich gegen Kachelmann aus. Ich frage: Mit welchem Recht?
Der Krimi Kachelmann live und jeder darf dran teilhaben. Da ist sich auch eine Alice Schwarzer plötzlich nicht zu schade, ausgerechnet für die BILD Zeitung über den Kachelmann Prozess zu berichten – als Frauenrechtlerin, klar… gegen einen mutmaßlichen Vergewaltiger. Dass Frau Schwarzer 2003 noch in ihrer Zeitschrift Emma (Wie BILD so richtig baden ging) gegen die “frauenverachtende und sexistische Bild-Zeitung” wetterte, weil sie mit einer 20jährigen Zahnarzthelferin, halb nackt und mit dem Spruch “Mein Rekord liegt bei acht Stunden” für ihre neue Serie “Neue Geschichten aus dem Bettkästchen ” warb, scheint längst vergessen. Vom Aufruf zur sexuellen Gewalt war die Rede, frauenverachtend, sexistisch. Ist es glaubwürdig, dass eine Frau Schwarzer nun plötzlich für genau dieses Medium, das diesbezüglich sein Konzept in keiner Hinsicht geändert hat, über den Kachelmann-Prozess berichtet? Tja,… Bild dir deine Meinung…!!!
Welche Intentionen Frau Schwarzer verfolgt… ich möchte ihr nichst unterstellen, aber mit Schwarzer-Statement wie: “Vielleicht geht Ihnen aufgrund Ihrer Sexualpraktiken aber auch alles durcheinander. Vielleicht wissen Sie gar nicht, dass das kein Spielchen ist, wenn eine Frau im Ernstfall Nein sagt, sondern Ernst. Und übrigens: Auch nette Männer vergewaltigen manchmal, Kollege Kachelmann. Leider” ist wohl alles gesagt. Dies war eine Privatmail von Frau Schwarzer an Herrn Kachelmann, wobei Frau Schwarzer es sich nicht nehmen ließ, Teile davon öffentlich zu machen. Warum?
Eine faire, unvoreingenomme und vorurteilsfreie Berichtserstattung sieht für mich anders aus. Aber das war es in meinen Augen auch von Beginn an nicht. Vor den Verhandlungen, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit abgehalten werden, warten Horden von Journalisten vor dem Gericht und versuchen im Wageninneren mit ihren Teleobjektiven irgendeine Regung Kachelmanns einzufangen, die hinterher bis ins Detail von selbsternannten Hobbypsychologen auseinander genommen und interpretiert werden. Auch vom Opferschutz kann keine Rede sein. Es existieren zahlreiche Fotos des mutmaßlichen Opfers, deren Adresse veröffentlicht wurde, die Morddrohungen erhielt. Statistisch gesehen werden nur 15 bis 20% der Vergewaltigungen überhaupt zur Anzeige gebracht. Das weiss im übrigen auch eine Frau Schwarzer, die sich dann trotzdem als Frauenrechtlerin an so einer Medienhatz beteiligt, sie somit auch öffentlich macht und vielen Frauen somit den Mut nimmt, Anzeige zu erstatten. Auch wenn sie in der Sendung “Anne Will” tönt, ihr Einsatz wäre wichtig, damit dem Opfer Gerechtigkeit widerfahre.
Ich bin der Meinung, beiden Parteien müsse Gerechtigkeit widerfahren. Und auch nach dem Urteilsspruch sind nicht wir für die Gerechtigkeit zuständig, sondern das Gericht, der Richter, die Schöffen. Niemand von uns hat das Recht, für oder gegen Kachelmann zu plädieren, und niemand hat das Recht, für oder gegen das mutmassliche Opfer zu plädieren. Wenn so eine Verhandlung schon unter Asschluss der Öffentlichkeit abgehalten wird, dann würde ich mir wünschen, dass dies vom Beginn bis zum Ende des Prozesses gilt. Wir haben Pressefreiheit, ja, und auch Meinungsfreiheit. Aber Derartiges hat in den Medien nichts verloren. Ich würde mir wünschen, dass zukünftig solche Prozesse nicht eher öffentlich gemacht werden, bis ein Urteil gefällt wurde. Ein Verstoß seitens der Presse dagegen sollte streng sanktioniert werden. Diese Medienhatz finde ich unerträglich. Die sexuellen Neigungen eines Herrn Kachelmanns gehen niemanden etwas an, und aus diesen ist auch nicht zu schliessen (wie es Frau Schwarzer wohl gerne täte), dass ein Mann, der derartige Sexualpraktiken praktiziert, auch gleichzeitig vor Vergewaltigung nicht zurückschreckt. Das ist blanker Unsinn. Ich finde dieses Prozess menschenunwürdig – in Hinsicht auf beide Parteien – auch auf die des mutmasslichen Opfers. Es gibt in diesem Prozess keine Neutralität mehr. Dabei wäre die so wichtig….


Evtl. ein DenkFehler:
“der derartige… praktiziert” bezieht sich nur auf eine Person… und vereinnahmt sogar mit “Neigungen” deren Innenwelt. Herr K. vor dem Gericht wurde evtl. durch Erfolg und andere zu einer ihm nicht entsprechenden LebensForm gebracht – “Entfremdung im Erfolg”?
Wie zurechnungsfähig sind alle Beteiligten? Grundsätzlich sollten Gerichtsurteile bei (schweren) Straftaten nur auf doppelten Gutachten beruhen.
Grundsätzlich haben die Medien alle Personen – siehe die Montage von Texten und beliebig dazu selektierten “Fotos” und “Bild”er – verwurstet,
das ist seelische Vergewaltigung.
Das Alice Schwarzer mit der Bild-Zeitung zusammenarbeitet, halte ich erstmal für unspektakulär. Ich kann zwar Deine Einwände hier nur zu gut nachvollziehen, die Doppelmoral und der Widerspruch, in dem sich die Frauenrechtlerin auf ihre alten Tage damit begibt. Aber unterm Strich wird sie da strategisch denken. Gerade in der Phase, wo sie anfing für Bild zu schreiben, kochte die Vorverurteilung des Opfers im Netz und tlw. auch in den “normalen” Medien ziemlich hoch. Mit Bild erreicht man eben am Ende viele – und schafft Meinungen. Genau deswegen ist Springers Flaggschiff ja auch ein Drecksblatt vor dem Herrn.
Ansonsten volle Zustimmung. Wie in der Öffentlichkeit über Schuld und Unschuld debatiert wurde, ist unerträglich.
Schwarzers strategisches Denken geht dahin, sich als “Schutzengel” des mutmaßlichen Opfers darzustellen und die überkochende Vorverurteilung des mutmaßlichen Opfers in den Medien abzuschwächen, indem sie Kachelmann vorverurteilt. Wenn das man nicht eigennütziges Denken und Handeln ist… als Emanze einen Grund zu haben, gegen einen Mann vorzugehen (in der Hoffnung, die Anklage sei rechtens).
(Anm: wer hier Täter und Opfer ist, steht noch gar nicht fest)
Die Nebenklägerin, das mutmaßliche Opfer, hat vermutlich schon längst genau das erreicht, was sie wollte. Kachelmann sollte öffentlich blog gestellt werden und für seine Seitensprünge büßen. Nun ja vielleicht ist er ja schuldig, doch das hat noch niemand beweisen können.
So sehe ich die Sache auch,es soll weder gegen Kachelmann noch gegen das mögliche Opfer gehetzt werden. Aber kann es denn nicht sein das die Frau bei der Beziehungskiste durchdrehte. Es gibt viele Menschen die sich selbst verletzen,ich kenne solche, und wenn sie betrunken oder unter Drogen war weis sie am nächsten Tag nicht mehr das sie es selbst war. Und es gibt auch Frauen die sich eine Vergewaltigung einbilden,dies ist eine Form des weiblichen Verfolgungswahns. Alice Schwarzer hat ihr vielleicht beigebracht das sie vergewaltigt wurde.So gibt es zwei Opfer Kachelmann UND die Frau, und Frau Schwarzer als Täterin. Ines