Yoga für Anfänger


yogaMir geht es sicherlich wie vielen, ich hatte schon immer vor, das vielgepriesene Yoga in mein Leben aufzunehmen, mir fehlte aber bisher meistens die Zeit, ein geeignetes Yoga-Studio inklusive geeignetem Yoga-Lehrer zu suchen und dann auch noch regelmäßig an den Unterrichtsstunden teilzunehmen. Den inneren Schweinehund kennt sicher auch jeder, bis man sich erst mal ausgerafft hat, findet man eh, dass es schon viel zu spät ist, das Haus zu verlassen.
Irgendwann habe ich dann mal auf eigene Faust nach einem Buch begonnen, Yoga-Übungen nachzumachen mit dem Ergebnis, meine Halswirbelsäule, die eh schon lädiert ist, ordentlich zu verrenken. Ich gab mein Vorhaben wieder auf.
Kürzlich stöberte ich auf Amazon und stieß dabei auch auf den zehnstündigen Yoga-Kurs von Sylvio Fritzsche. Habe dann in den Rezensionen gestöbert, um in Erfahrung zu bringen, ob der Kurs auch für Anfänger geeignet ist. Anhand der Erfahrungen anderer habe ich mich dann entschieden, den Kurs zu kaufen, und ich sage vorab, ich habe es auch nicht bereut.
Mit diesem Kurs erhaltet ihr einen zehnstündigen Basiskurs, in dem alle Basis-Asanas erlernt werden. Jeder Kurs dauert ca. eine Stunde. Das ganze Konzept ist in zehn Module aufgeteilt.
? Modul 1: Standhaltungen
? Modul 2: Vorbeugen
? Modul 3: Drehhaltungen
? Modul 4: Sonnengruß
? Modul 5: Rückbeugen
? Modul 6: Hüftöffnung
? Modul 7: Balance
? Modul 8: Umkehrhaltungen
? Modul 9: Restorativ Yoga
? Modul 10: Yogabasics Serie
Jedes Modul umfasst eine Einführung, die erklärt, worauf man als Übender achten sollte, somit wird unter anderem ein Verletzungsrisiko vorgebeugt und Interessantes zur Anatomie erklärt. Modul 1 bis 8 erklärt die Basics, im Modul 9 geht es um Entspannung und Reaktivierung der Kräfte, Modul 10 fügt die Basics zu einer kompletten Yoga-Stunde zusammen. Alles ist perfekt aufeinander aufgebaut und greift nahtlos ineinander.
Die Module selber sind anstrengend aber machbar. Ich habe völlig untrainiert angefangen und erinnere mich in diesem Zusammenhang an meinen Alleingang mit dem Buch, wo ich bisweilen regelrecht sauer auf mich selber war, dass ich die gezeigten Übungen nicht mal in der Anfängerposition auch nur halbwegs hinbekommen habe. Man neigt dann leicht dazu, sich selber zu überschätzen oder gar zu Übertreibungen (“…das muss ich doch irgendwie hinbekommen”). Mit diesem Video ist das keinesfalls so. Es wird Schritt für Schritt erklärt, wie man in die Übung hineingeht, welche Hilfsmittel man verwenden kann (und anfänglich auch sollte). Mit diesem Konzept macht es Spaß dranzubleiben, man fühlt sich nicht überfordert oder gar beschämt, weil man anfänglich halt nicht so super beweglich ist. Dieses “das schaffe ich nie” hatte ich nicht ein einziges Mal. Womit ich etwas Schwierigkeiten hatte, war, die Übungen während der Erklärung auch solange zu halten, weil ich einfach die Kraft noch nicht hatte. Dass ich das gar nicht muss, hat man mir dann auch umgehend geschrieben. Und hiermit komme ich auf das zweite wirklich Fantastische an diesem Kurs: Man kann direkt Kontakt zu Herrn Fritzsche aufnehmen, bekommt jederzeit Erklärungen und auch bisweilen immer mal wieder Nachfragen, wie man zurechtkommt. Das hat schon fast etwas von einem privaten Yoga-Lehrer und zeigt, mit wie viel Herz und Verstand der Macher dieses Kurses bei der Sache ist.
Das Wichtigste beim Yoga ist ganz sicher die Atmung. Auch hier wird während des Übens immer wieder darauf hingewiesen, das Atmen nicht zu vergessen – was man ja ganz gerne tut, wenn es anstrengend wird. Dass während des Kurses auf jede Einzelheit geachtet wird, hat mich zudem sehr gefreut. Ich denke, dass man mit dieser DVD zuhause seine Yoga-Basics erlernen kann, ohne gesundheitliche Risiken einzugehen, (die beim Yoga bisweilen bei einigen körperlich Eingeschränkten vielleicht gegeben sind), vorausgesetzt, man hält sich an die beschriebenen Übungen und lernt so sauber wie möglich, ruhig aber stetig und überfordert sich nie. Perfektionismus ist hier nicht angebracht, sondern eher besonnenes Üben und ein bewusster Umgang mit seinem Körper, zudem ein stetig lauschendes Ohr, das einem sagt, wann Grenzen vorerst erreicht sind. Wir hören schon lange nicht mehr auf unseren Körper, mit Yoga können wir es wieder lernen. Das man vom Yoga nur profitieren kann, körperlich wie seelisch, liegt klar auf der Hand.
Ich kann diesen Kurs Anfängern wie auch Fortgeschrittenen ans Herz legen, die – wie ich – keine Zeit haben, ein Yoga-Studio aufzusuchen und deren innerer Schweinehund sie immer wieder mit Ausreden wie “Oh, es regnet,… oh, es ist schon so spät,… oh, … oh,… oh…” vom regelmäßigen Üben abhält. Von der Couch zum CD Player und von da aus auf die Matte schafft man, auch wenn “Otto” bellt. Hier gibt es keine Ausreden mehr.

 

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Kategorien:Empfehlung, Rezensionen, Yoga

Norbert Sternmut’s Wildwechselzeit: Tagebuch einer Beziehung (Rezension: Daniela Wegert)


wildwechselPromiskuität als Therapiegrund und der Wahn (oder der Wunsch?), dass die Wirklichkeit nicht real ist.

Norbert Sternmut legt seinen neuen Roman in Tagebuchform (TaBu) vor und arbeitet seinen Frühling und Sommer auf, um ein neues Denken, eine neue Philosophie für den (Lebens-) Herbst zu finden.
Herbstzeit ist Wildwechselzeit.

Es ist immer ein wenig schwierig, den Roman eines Autors zu lesen, den man kennt (ein wenig), da der autobiografische Anteil bisweilen schockieren kann und man vielleicht Dinge erfährt, die einem den Menschen in einem anderen Licht zeigen (aber gehen wir Autoren nicht mit jedem unserer Werke dieses Risiko ein?)

Norbert Sternmuts Roman hat mir gut getan, bisweilen etwas schmerzhaft, einen Spiegel vorgehalten zu bekommen. Innerliche Zerrissenheit, das Schwanken zwischen Moral, Liebe, Treue, Leidenschaft und Begierde (Triebe?)’ und immer wieder die Moral, dieser erhobene Zeigefinger.

Was ich las, war in erster Linie Weltschmerz. Anfänglich der Weltschmerz eines Kindes, das als unheilschwanger ausgeschiedenes Eingeweide das Licht dieser Welt erblickte: ungewollt, ungeliebt und gedemütigt durch die physischen und psychischen Tritte und Schläge der Mutter, die es sich stets hässlich fühlen ließ, innen wie außen. Dieses Gefühl des Nicht-Angenommen-Seins, in einer Welt zu existieren, in der es nicht lebte, ja nicht mal verwaltet, sondern hineingepresst wurde, um zu überleben.
Sternmut sucht Ordnung, eine innere Ordnung, wo sie äußerlich sowieso nicht existiert, versucht diese Ordnung durch Schreiben (seine Therapie? seine Eva G.?) herzustellen. Dieser Gedanke ist mir beim Lesen oft gekommen. Ein schriftlicher Monolog einer imaginären Therapie, einer imaginären Therapeutin (Eva G.) zum Zwecke der Selbsttherapie. Ob die Therapie nun real oder fiktiv ist, sei in diesem Zusammenhang irrelevant. Sternmut legt mit Wildwechselzeit einen Roman vor, der persönlicher und intimer nicht sein kann, zeitweiser Pikiertheit seitens des Leser nicht ausgeschlossen. WWZ erscheint mir wie ein Umbruch und Abschluss in Sternmuts Leben. Wobei in vorhergehenden Romanen wie Marlies und Norman der Abstand zum Inneren durch die dritte Form gewahrt wurde, schreibt Sternmut nun in der Ich-Form und bricht damit Wände weg, die Inhalt und eigene Person zuvor noch zu trennen vermochten. Hier ist das nicht mehr der Fall, unmöglich. Unweigerlich steht der Bezug zum Autor, zum Menschen Sternmut und jedes Wort, so klar und deutlich geschrieben, jeder Satz in seinen feinen Nuancen (ja, bisweilen klingt Sternmut) lässt jeden Gedanken an Fiktion verschwinden. Teilweise beängstigend, wenn zum Beispiel das Thema Suizid zur Sprache kommt. Die Depressionen, die aus dem Inneren kommen. Äußerlich auf dieser Welt zu existieren, ist nicht schwer. Luft, Nahrung, Schlaf – was braucht es, um zu überleben? Das wirkliche Leben kommt von innen: unsere Wünsche, Hoffnungen, Liebe, angenommen sein, gewollt sein, geliebt werden und selbst lieben. In der Kindheit fehlten Sternmut all diese wichtigen Dinge, die in das Carepaket des Lebens gehören.

Wir wären verlogen, würden wir behaupten, dass das Geliebtwerden, die Aufmerksamkeitssuch(t)e, das Zusammengehören nicht unsere stärkste Triebfeder sei. Somit schreibt Sternmut nicht nur über sich selbst, über sein Inneres, sondern über das Innere unserer Gesellschaft. Nie als Moralapostel, nie mit erhobenem Zeigefinger, jedoch mit viel Gefühl für die Sprache (sein Arbeitsmittel!) schubst er den Leser vom Ist ins Soll. Er schreibt: ‘Wir brauchen ein neues Denksystem, eine neue Kopfgeburt. Darüber wollte ich ein Buch schreiben’ und es ist ihm gelungen.

Es ist das Tagebuch einer Beziehung, wohl wahr, doch wenn Sie denken, es sei die Beziehung Sternmuts zu einer Frau, dann lesen Sie selbst. Es ist ein Tagebuch unserer aller Beziehung zueinander und die Frage, ob ein neues Denken, eine neue Ordnung nicht langsam angebracht wäre und Sigmund Freuds These ‘Jeder Mensch ist des anderen Wolf’ nicht überdacht werden sollte.

Ein Wort durchzieht den Roman wie ein roter Faden: womöglich! ‘Womöglich‘ ist so ein schwebendes Wort und beschreibt Sternmuts Gefühl, nie genau zu wissen, ob die Wirklichkeit wirklich ist, ob das Gefühlte, das man Liebe nennt, wirklich Liebe ist. Nicht zu wissen, ob man richtig fühlt, ob man sich auf das Gefühl verlassen kann, auf seine Vernunft, auf seine Gedanken. Dieses Wort (womöglich) immer wieder einfließen zu lassen und metaphorisch damit den Ausdruck für die Unsicherheit seiner Gefühlswelt zu vermitteln, ist großartig.

Du wirst erkannt, wie du dich fühlst. Wie innen, so außen! Dass die Menschen nie das sehen, was du wünscht, dass sie in dir sehen sollen, sondern – dass sie sehen, was DU über DICH denkst und fühlst. Unweigerlich! Sternmuts Roman zu lesen, ist wie ein Wiedersehen mit den eigenen Gedanken und Gefühlen. Alles schon selber mal gedacht, über alles schon selber mal sinniert. Gerade auch in diesem Abschnitt werden sich viele wieder erkennen: dass man als das erkannt wird, was man selber fühlt (über sich). Fassaden hatten schon immer den Nachteil, mit der Zeit zu bröckeln. Alles ist ein Opfer der Zeit oder der eigenen Erkenntnis.

Nichts ist so, wie es scheint. Selbst das Gute und Brave entspringt nicht der Gutmenschnatur, sondern dem puren Egoismus. Und wenn wir ehrlich sind, verfolgt selbst die sich zum Helfen ausgestreckte Hand eine Befriedigung der eigenen Bedürfnisse, der nach Anerkennung und dem gehobenen Ansehen. Selbst als Kind schon erwarten wir vom braven und artigen Verhalten eine Belohnung. Das ist menschlich egoistisch (und womöglich ein gesunder Egoismus), nicht gutmenschlich. Eine Anpassung unseres Verhaltens in Erwartung eines positiven Feedbacks.

Versuchen wir uns selbst zu verstehen (was schon schwer genug ist), bevor wir versuchen, andere zu verstehen (was gänzlich unmöglich ist).

Der Text über 229 Seiten liest sich wie das Leben selbst, mal sanft und leise, mal berauschend poetisch, mal rhythmisch wie der Herzschlag – in einem dann folgendem Wortstakkato aufgelöst wie die Leidenschaft. Ein sehr lesenswertes Buch und (für mich) das beste, das Sternmut bisher schrieb.

Gebundene Ausgabe: 229 Seiten
Verlag: Wiesenburg; Auflage: 1 (Februar 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3942063255
ISBN-13: 978-3942063258

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Kindle Paperwhite


paperwhite

Sicherlich können wir uns Neuerungen gegenüber verschließen und in Nostalgie schwelgen, weil Althergebrachtes nun mal unser Leben begleitet hat und so manch liebgewordene Erinnerung daran hängt. Was das Lesen betrifft, scheinen viele sich von “ich brauche den Duft des Buches oder das Rascheln des Papieres” nicht lösen zu können, zumindest lese ich häufig derlei Aussagen auf Facebook&Co. Man könne sich nun so gar nicht vorstellen, so ein Plastikteil namens eBook Reader in den Händen zu halten… nein nein, das würde den literarischen Genuss völlig verderben. Nur lebt eine Geschichte nicht vom Rascheln oder dem dumpfen Geruch des Papieres, auch nicht von der Haptik sondern von Buchstaben, die sich zu Worten und schließlich zu Sätzen formen und hoffentlich einen Sinn und zusammen eine spannende/interessante Lektüre ergeben.

Ich besitze die Gesamtausgabe von Franz Kafka. Das Werk misst 22 x 15 x 6 cm und wiegt mit seinen 1232 Seiten ganze 1078 Gramm. Wenn ich Sport machen möchte, gehe ich ins Fitnessstudio. Wenn ich abends im Bett lese, möchte ich mich auf den Text konzentrieren und nicht darauf, welche Lage am bequemsten und leichtesten ist, denn nach 10 Minuten wiegt Kafka schwer, nicht nur vom Stoff her… Daneben nehmen sich 213 Gramm doch wahrlich als Leichtgewicht aus und ich halte dann nicht nur Kafkas Werk in den Händen, sondern bis zu 1100 Bücher. Braucht man nicht, ist aber für Leseratten ein ausgesprochen gutes Gefühl.

Wir wollen dem eBook Reader eine Chance geben, ich finde nämlich, dass er eine ganz vortreffliche Sache ist. In diesem Fall handelt es sich um den Kindle, genau genommen um den Paperwhite.
Ich bin ehrlich, als ich meinen Kindle Paperwhite zum ersten Mal in den Händen hielt, war ich enttäuscht und dachte bei mir: “Gut, du hast zwei Wochen Zeit, ihn zu testen und sendest ihn dann zurück“. Nach ca. zwei Stunden war daran gar nicht mehr zu denken. Was mich vorderhand faszinierte, war das augenschonende Lesen. Mit der einzigartigen Frontallichttechnik wird das Display vom unteren Rand her komplett ausgeleuchtet. Man hat tatsächlich das Gefühl, auf gedrucktem Papier zu lesen. Kein grelles Licht wie bei einem Tablet, sondern ein angenehm ausgeleuchtetes Display, das eher wie ein Blatt Papier wirkt, das sanft von einer Leuchte angestrahlt wird. Das war schon mal ein großer Pluspunkt. Bisweilen lese ich mehrere Stunden und habe bisher kein Ermüden der Augen festgestellt. Es lässt sich bei direkter Sonne genauso wie abends im Bett in der Dunkelheit wirklich ausgezeichnet lesen. Zudem wird lediglich das Display ausgeleuchtet, sodass eventuelle Bettnachbarn nicht weiter beim Schlafen gestört werden. Zudem verfügt der neue Kindle im Gegensatz zu seinem Vorgänger 62% mehr Pixel. Die Schrift ist klar und deutlich. Einziger Nachteil (aber der ist wahrlich zu verkraften) ist die unregelmäßige Beleuchtung am unteren Rand, die sogenannte Wolkenbildung. Ich muss allerdings sagen, dass man diese nach häufiger Benutzung nicht mehr wahrnimmt. Zudem hat Amazon über diesen oft diskutierten Fauxpas extra eine Stellungnahme veröffentlicht.

Die Haptik ist großartig. Mal davon abgesehen, dass der Kindle lediglich 231 Gramm wiegt, hat er zudem ein schwarzes, griffiges Gehäuse, sodass der Reader nicht aus der Hand rutscht und wirklich nichts ins Gewicht fällt. Ihn lange Zeit im Liegen zu halten, ist kein Problem.
Der Kindle Paperwhite verfügt über einen kapazitiven Touchscreen. Jegliche Funktionen werden über das Display angesteuert. Einen Knopf zum Bedienen wird man vergeblich suchen, er besitzt lediglich ein On/Off Schalter in der Mitte des unteren Randes, um das Gerät an- und auszuschalten. Ein Homebutton wäre hilfreich gewesen. Zum Ausschalten noch ein Wort: Nach Bedienen des Knopfes geht der Paperwhite lediglich in einen Ruhezustand und zeigt eine Art Bildschirmschoner. In diesem Zustand allerdings könnte der Akku (laut Amazon) ohne erneute Aufladung 8 Wochen lang durchhalten. Die lange Akkulaufzeit wird von Amazon sehr angepriesen, wobei ich sagen muss, dass ich nicht drum rum komme, meinen Kindle alle drei bis vier Tage zu laden, obwohl ich Wlan ausschalte, wenn ich es nicht benötige. Allerdings habe ich ihn auch sehr oft in den Händen und lese recht häufig und viel. Genaue Angaben über die Akkulaufzeit kann ich an dieser Stelle also nicht anstellen.

Der Kindle tut, was man von ihm erwartet und konzentriert sich auf das Wesentliche. Er ist ein Lesegerät, darum wird man Lautsprecher und Kopfhörerbuchse (wie beim Kindle Touch/Fire integriert) beim Paperwhite vergeblich suchen. Rezensionen, die diese Tatsache negativ bewerten, sind für mich eher unbegreiflich. Wenn ich eBooks lesen möchte, jedoch auf Videos, Hörbücher, Musik und ggf das Surfen im Internet nicht verzichten möchte, nehme ich ein Tablet oder den Kindle Fire/Touch. Auch habe ich in einigen Rezensionen gelesen, dass auf dem Display des Kindles “bunte Flecken” zu sehen wären. Das habe ich auch festgestellt, jedoch mit der Zeit bin ich der Meinung, dass diese Flecken nicht auf dem Display entstehen, sondern unsere Augen sie quasi vortäuschen. Wer einen Kindel Paperwhite besitzt, möchte bitte beim Entdecken der Flecken die Augen kurz schließen und dann wieder auf das Display schauen. Er/sie wird bemerken, dass die Flecken sich verändert haben oder gänzlich verschwunden sind. Mit der Zeit nimmt man sie gar nicht mehr wahr.

Die Geschwindigkeit des Paperwhite ist phänomenal. Schneller kann man eine Buchseite nicht öffnen. Nicht mal eine Sekunde vergeht vom Einschalten bis zum Sichtbarwerden der zu lesenden Seite. Auch das Öffnen der Bücher oder daskindleschrift Herunterladen aus der Cloud geht schnell vonstatten (Wlan oder 3G vorausgesetzt). Als einen mehr oder minder großen Nachteil empfinde ich, dass der Kindle zum Beispiel das epub-Format nicht unterstützt. Jedoch gibt es auch hier Hilfe. Für meinen vorherigen Reader (Sony PRS) habe ich die Software Calibre benutzt, um meine eBooks auf dem Reader einzupflegen. Aus diesem Grund habe ich noch unzählige eBooks in epub-Format auf der Festplatte. Mit Calibre lassen sich diese Bücher ins Kindle-Format konvertieren und auf den Kindle per USB hochladen. Wie man das macht, seht ihr hier. Wie ihr ePub-eBooks auf dem Kindle eReader lesen könnt. (Achtet darauf, dass die eBooks im epub-Format nicht kopiergeschützt sind). Zudem bekommt ihr beim Bestellen eines Kindles über Amazon eine eMail-Adresse in der Form ****@kindle.com, an die ihr Dateien im PDF Format senden könnt, die dann auf dem Kindle unter “Dokumente” erscheinen. Tolle Sache.

Weitere hilfreiche Features des Kindles sind zum Beispiel der Lesefortschritt (Time to read) und das Markieren von Texten, das Anlegen und Teilen von Notizen oder das Nachschlagen in Lexiken und Wörterbüchern. Auch ist ein Beta-Browser mit an Bord, Wikipedia ist zudem integriert. Unzählige Wörterbücher werden mitgeliefert, andere können im Nachhinein auch noch erworben und integriert werden. Für englische Bücher habe ich mir z.B ein Deutsch-Englisch Wörterbuch gekauft, es in Sekunden installiert. Funktioniert tadellos. Time to read errechnet anhand der eigenen Lesegeschwindigkeit, wie lange man noch für das ganze Buch oder für das gerade gelesene Kapitel benötigt. Letzteres ist eventuell vor dem Schlafen ganz hilfreich, ob es noch lohnt, das Kapitel zu Ende zu lesen oder nicht. Das Einstellen der Schriftgröße und -art geht denkbar einfach. Man ziehe mit Daumen und Zeigefinger das Display auseinander und schon öffnet sich das Auswahlfenster und die Schrift vergrößert sich automatisch um eine Stelle. Umgekehrt – zieht man die Finger zusammen, verkleinert sich die Schrift und das Auswahlfenster öffnet sich. Auch kann man hier die Schriftart, den Zeileabstand und die Breite des Seitenrandes einstellen. Gut gelöst.

Der Homescreen ist schlicht und übersichtlich in zwei Bereiche gegliedert. Zum einen das Gerät, zum anderen die Cloud, also der Bereich, wo du die Bücher findest, die in die Amazon-Cloud geladen wurden, sich aber noch nicht auf dem Gerät befinden. Diese Cloud kann man bequem über den Amazon-Account pflegen. Zudem kann man sich unter kindle.amazon.com ein Profil einrichten, sich mit anderen verbinden und Bücher einpflegen, bewerten, anderen mitteilen (soz. Netzwerke), was man gerade liest und so weiter. Auf dem Kindle lassen sich die Bücher sortieren, auch kann man selber Sammlungen anlegen, um eine gewissen Übersicht über die (doch mit der Zeit) anschwellende eBook-Sammlung zu erhalten. Ich werde in diesem Beitrag nicht weiter auf die Handhabung des Readers eingehen, die erschließt sich einem von selbst. Auch kommt ein Handbuch auf dem Kindle gleich zu euch nach Hause, sodass ihr nachschlagen könnt. Im Grunde ist die Handhabung einfach und selbst klärend.

Amazon hält für den Leser unzählige kostenlose eBooks bereit, die man schnell und einfach auf den Kindle laden kann. Das kann zum einen über das Webinterface von Amazon geschehen oder über das Gerät selbst. Ich finde es über das Webinterface bequemer. In wenigen Sekunden hat man das eBook auf seinem Kindle und kann mit dem Lesen beginnen.
Kostenlose, deutsche eBooks: Sammlung

Prime-Mitglieder (kostet 29,- € jährlich) dürfen sich einmal monatlich ein Buch aus der Amazon-Leihbibliothek ausleihen. Extra dafür eine Prime-Mitgliedschaft zu erwerben, finde ich persönlich unsinnig. Ich habe gelesen, dass die Leihbibliothek keinerlei aktuelle Bestseller zum Ausleihen anbietet.

Den Paperwhite gibt es in der Wlan-Ausführung (129 Euro) oder als 3G Version (189 Euro) . Letzterer kostet zwar 60 Euro mehr, ist aber für Kunden, die kein Wlan daheim haben, sehr interessant. Es kommen keine weiteren Kosten auf einen zu, 3G- Anbindung und die Kosten zahlt Amazon. So kann man weltweit Bücher runterladen, ohne auf eine Wlan-Verbindung angewiesen zu sein.

Fazit: Für Vielleser ist der Kindle Paperwhite eine sehr gute Investition. Möchte man jedoch auch Videos, Hörbücher und Musik genießen, wäre man mit einem Kindle Touch/Fire oder gar einem Tablet besser bedient. Er ist handlich, leicht zu bedienen, die Akkulaufzeit ist gut bis sehr gut, das satinierte Paperwhite-Display ist – trotz seiner kleinen Macken – wirklich gut und ermöglicht ermüdungsfreies Lesen.

(Bildquellen: amazon.de)

In eigener Sache – Amnesty International

5. Oktober 2012 2 Kommentare

amnesty internationalSie surfen gerade im Netz, sonst wäre Sie nicht auf dieser Seite angelangt. Sie surfen in Sicherheit, weil Sie in einem Land leben, das Ihre Menschenrechte wahrt. Ihre Meinung zu sagen, Ihre politische Haltung auszudrücken, Ihren Glauben zu leben, all dies sind Dinge, die Sie in einem Land wie Deutschland ohne Androhung von Strafe tun dürfen.

Der Wortlaut des Artikel 1 des GG:

(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen
Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.

Das ist nicht überall so!

In vielen Ländern dieser Erde existieren die Wörter “Menschenrecht” und “Menschenwürde” nicht. Es gibt häufig kein angemessenes Maß an Strafen, viel zu oft werden Menschen ohne rechtlichen Beistand verurteilt, Geständnisse werden durch Folter erpresst wie im Fall Fatima Hussein Badi und ihren Bruder Abdullah, der bereits hingerichtet wurde. (siehe Kasten)

fatima

 

Politische Regimekritiker werden durch Folter, Haft und Androhung von Todesstrafen mundtot gemacht, um skrupelosen Politikern die Ausübung ihrer Macht uneingeschränkt zu ermöglichen.

Brennt Ihr Herz für eine Sache? Vielleicht für die Malerei, für die Literatur, für gute Filme…? Es gibt Menschen in Syrien, Iran, Irak, China, Vietnam, Nigeria… überall auf der Welt, deren Herz brennt für das eigene Volk. Sie setzen sich jeden Tag Gefahren aus, um auf verschiedenen Wegen auf die Miseren ihres Landes aufmerksam zu machen. Zum Beispiel der chinesische Künstler Ai Weiwei, der als Regimekritiker ohne Anklage und Verurteilung monatelang inhaftiert war. Heute lebt er, bespitzelt von etlichen Kameras, unter Hausarrest. Der ägyptische Blogger Maikel Nabil Sanad wurde trotz weltweiter Proteste zu zwei Jahren Haft verurteilt, weil er in seinem Blog unter anderem über Foltervorwürfe von Demokratie-Aktivisten berichtet, die in der Zeit nach dem Sturz von Präsident Husni Mubarak von der Militärpolizei verhaftet worden waren. Es gibt etliche und noch weitaus eklatantere Beispiele auf dieser Welt, die zeigen, das Hilfe dringend nötig ist.

Amnesty International kümmert sich seit 50 Jahren um Menschen, die Opfer ihrer Gesellschaft wurden, einer Gesellschaft, der Menschenrecht und Menschenwürde fremd sind.

Haben Sie ein wenig Zeit oder möchten Sie jetzt doch lieber einen Kaffee trinken, fernsehen, ins Schwimmbad, ins Kino, einkaufen oder Ihre Wohnung säubern, eben all das, was Sie als freier und unabhängiger Mensch in einem Land wie Deutschland tun können? In Sicherheit! Oder möchten Sie sich fünf Minuten Zeit nehmen, um von meinem Blog auf die Website von Amnesty International zu wechseln und zu schauen, was Sie tun können? Ich verspreche Ihnen, Sie müssen dabei (so Sie nicht wollen) nicht mal Ihren jetztigen Platz verlassen und Kaffee können Sie nebenbei auch trinken. Und:

SIE KÖNNEN HELFEN!!!

Wir alle habe eine Stimme. Und diese Stimme ist so viel Wert, dass sie Menschenleben retten kann, dass sie auf gesellschaftliche und politische Ungerechtigkeiten hinweisen kann. Sie kann für ein besseres Miteinander kämpfen. Das hört sich doch gut an, finden Sie nicht auch?

Sie denken jetzt: “Was kann ich als Einzelner schon ausrichten? Ich bin doch nur ein kleines Licht!” Wenn jeder diesen Gedanken ablegen würden, dann würden die Menschen verstehen, dass wenn zu einem einzelnen Licht noch eins und noch eins hinzukommt, ein ganzes Lichtermeer erstrahlen kann. Millionen Lichter leuchten ziemlich hell, stimmt’s?

Sie können, so Sie nicht möchten, sogar ohne Mitgliedschaft bei Amnesty International tätig werden. Und wenn Sie sich wie ich für eine Mitgliedschaft entscheiden, verspreche ich Ihnen, es wird Sie kein Vermögen kosten. Auch sind einmalige Spenden gerne gesehen. Auch das Schreiben von Petitionen ist hilfreich. Denken Sie sich nur, wie glücklich die Aktivisten gewesen sein müssen, als (unter anderem) aufgrund ihrer Petitionen Jabbar Savalan aus Aserbaidschan freigelassen wurde. Weitere Infos dazu auf Amnesty Inernational.

Ich danke Ihnen für Ihre Zeit, die Sie auf meinem Blog verbracht haben und ganz besonders für die Zeit, die Sie aufbrachten, diese Zeilen zu lesen. Vielleicht habe ich in Ihnen etwas bewegen können. Mich würde es freuen.

Mit freundlichen Grüßen,
Daniela Wegert

 

(Bildquellen: amnesty.de)

Rezension: “Selbstmord auf Raten” von Nora Ludwig


Rezension “Selbstmord auf Raten” – Nora Ludwig

noraAls Tochter eines alkoholkranken Vaters war es mir wichtig, auch mal die andere Seite betrachten zu dürfen und Einblick in die Seele eines Alkoholikers aus seiner Sicht zu erhalten, um zu verstehen.
Nora Ludwig ist es gelungen, ohne Effekthascherei und in einfachen, aussagekräftigen Sätzen ihr Leben mit der Alkoholsucht zu schildern. Ohne beim Leser Mitleid erregen zu wollen oder Entschuldigungen zu finden, beschreibt sie ihr Leben – beginnend in der Kindheit.
Nora Ludwig verlebt eine Kindheit mit Eltern, die ihr bereits in jungen Jahren die Problembekämpfung mittels Alkohol vorlebten. Mutter und Vater betrachteten den Alkohol als Kommunikationsersatz. Negative Gefühle wurden im Alkohol ertränkt und Dispute wurden einfach weggesoffen.
Sie schließt die Schule ab, macht ihr Abitur und studiert an der Rostocker Universität Betriebswirtschaft. Um dem Elternhaus zu entkommen und sicher auch, um ihre Sehnsucht nach Liebe und Aufmerksamkeit zu stillen, entschließt sie sich als Jugendliche zu heiraten. Keine Liebesheirat. Eher eine Flucht – und die Möglichkeit, ein halbwegs normales Leben zu führen. Ohne Alkohol.
Nora ist eine Perfektionistin. Sie will es allen recht machen (in erster Linie sich selbst) und sie will vor allem alles richtig machen. Während des Studiums wird sie Mutter und stellt schnell fest, dass sie der zusätzlichen Anforderung, die das Dasein als Mutter und Ehefrau mit sich bringt, nicht gewachsen ist. Der Ehemann, dessen Werben sie nachgegeben hat und der von ihr aus logischen, nicht jedoch emotionalen Gründen gewählt wurde, entpuppt sich nach und nach als Tyrann. Und nun schlich sich das in ihr Leben ein, was ihr seit der Kindheit so verhasst war und dem sie geschworen hat, nie zu verfallen. Der Alkohol.
Im weiteren Verlauf des Buches schildert Nora Ludwig schonungslos ihren schleichenden Abstieg. Sie verliert ihre Kinder. Das Jugendamt entscheidet, dass ihre Söhne zu ihren Vater nach Österreich gehen. Ich empfand diese Schilderung im Buch als eine der schlimmsten, wie sie dem Auto nachschaute, in dem ihre Söhne saßen. Das erste Weihnachtsfest ohne Kinder. Beruflich steigt Nora Ludwig von der ökonomischen Leiterin zur Putzfrau ab. Auch haben mich die Ausführungen (teilweise extrem detailliert) ihrer Exzesse schockiert, die körperlichen Reaktionen, die sie eindrucksvoll und bildhaft beschreibt. Durch die Zeilen drang immer wieder ein Wort zu mir durch: Einsamkeit.
Nach dem Lesen dieses Buches wird man sicher so manchen Alkoholiker vor dem Imbiss, Discounter oder in den schmutzigen Ecken mit anderen Augen sehen. Kein Alkoholiker hat sich dieses Leben und seine Sucht ausgesucht. Wir dürfen diese Menschen nicht als schmuddelige Randgesellschaft betrachten und müssen verstehen lernen, dass Alkoholismus eine Krankheit ist.

 

Broschiert: 84 Seiten
Verlag: Adebor; Auflage: 1 (27. März 2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3981454227
ISBN-13: 978-3981454222

Soziale Exekution – Der Fall Kachelmann

14. Oktober 2010 5 Kommentare

Die Verleumdung ist wie Kohle: auch wenn sie nicht brennt, so schwärzt sie doch…

Es gibt kein Pro und kein Kontra… kein schuldig und kein unschuldig, bis nicht ein Gericht geklärt hat, was wirklich vorgefallen ist und solange kein Urteil gefällt wurde. Dass dies jedoch bereits in der Öffentlichkeit geschehen ist, ist nicht von der Hand zu weisen. Dass ein Jörg Kachelmann, egal wie das Urteil aussehen wird, schon jetzt ein gebrochener Mann ist und selbst nach einem eventuellen Freispruch nie wieder in der Medienwelt Fuß fassen wird, ist ein Fakt. Was hier geschieht, ist eine soziale Exekution. Dies betrifft nicht nur Herrn Kachelmann, sondern auch das mutmaßliche Opfer.

Auch wenn viele im Netz und in der allgemeinen Medienwelt meinen, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben, finde ich die momentane Hatz um den Meteorologen Jörg Kachelmann beinahe schon kriminell. Gleichfalls die Hatz gegen das mutmaßliche Opfer, die in sozialen Netzwerken ein unerträgliches Ausmaß annimmt, wo jeder, der meint Bescheid zu wissen, seinen unsozialen und dummen Senf dazu gibt. Da ist man mittendrin, da ist man dabei – auch wenn das Gericht die Pforten an den Verhandlungstagen schließt. Als Otto-Normal verschießt man dann sein unangebrachtes Gesülz auf Facebook, hetzt gegen das Opfer oder lässt sich gegen Kachelmann aus. Ich frage: Mit welchem Recht?

Der Krimi Kachelmann live und jeder darf dran teilhaben. Da ist sich auch eine Alice Schwarzer plötzlich nicht zu schade, ausgerechnet für die BILD Zeitung über den Kachelmann Prozess zu berichten – als Frauenrechtlerin, klar… gegen einen mutmaßlichen Vergewaltiger. Dass Frau Schwarzer 2003 noch in ihrer Zeitschrift Emma (Wie BILD so richtig baden ging) gegen die “frauenverachtende und sexistische Bild-Zeitung” wetterte, weil sie mit einer 20jährigen Zahnarzthelferin, halb nackt und mit dem Spruch “Mein Rekord liegt bei acht Stunden” für ihre neue Serie “Neue Geschichten aus dem Bettkästchen ” warb, scheint längst vergessen. Vom Aufruf zur sexuellen Gewalt war die Rede, frauenverachtend, sexistisch. Ist es glaubwürdig, dass eine Frau Schwarzer nun plötzlich für genau dieses Medium, das diesbezüglich sein Konzept in keiner Hinsicht geändert hat, über den Kachelmann-Prozess berichtet? Tja,… Bild dir deine Meinung…!!!

Welche Intentionen Frau Schwarzer verfolgt… ich möchte ihr nichst unterstellen, aber mit Schwarzer-Statement wie: “Vielleicht geht Ihnen aufgrund Ihrer Sexualpraktiken aber auch alles durcheinander. Vielleicht wissen Sie gar nicht, dass das kein Spielchen ist, wenn eine Frau im Ernstfall Nein sagt, sondern Ernst. Und übrigens: Auch nette Männer vergewaltigen manchmal, Kollege Kachelmann. Leider” ist wohl alles gesagt. Dies war eine Privatmail von Frau Schwarzer an Herrn Kachelmann, wobei Frau Schwarzer es sich nicht nehmen ließ, Teile davon öffentlich zu machen. Warum?

Eine faire, unvoreingenomme und vorurteilsfreie Berichtserstattung sieht für mich anders aus. Aber das war es in meinen Augen auch von Beginn an nicht. Vor den Verhandlungen, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit abgehalten werden, warten Horden von Journalisten vor dem Gericht und versuchen im Wageninneren mit ihren Teleobjektiven irgendeine Regung Kachelmanns einzufangen, die hinterher bis ins Detail von selbsternannten Hobbypsychologen auseinander genommen und interpretiert werden. Auch vom Opferschutz kann keine Rede sein. Es existieren zahlreiche Fotos des mutmaßlichen Opfers, deren Adresse veröffentlicht wurde, die Morddrohungen erhielt. Statistisch gesehen werden nur 15 bis 20% der Vergewaltigungen überhaupt zur Anzeige gebracht. Das weiss im übrigen auch eine Frau Schwarzer, die sich dann trotzdem als Frauenrechtlerin an so einer Medienhatz beteiligt, sie somit auch öffentlich macht und vielen Frauen somit den Mut nimmt, Anzeige zu erstatten. Auch wenn sie in der Sendung “Anne Will” tönt, ihr Einsatz wäre wichtig, damit dem Opfer Gerechtigkeit widerfahre.

Ich bin der Meinung, beiden Parteien müsse Gerechtigkeit widerfahren. Und auch nach dem Urteilsspruch sind nicht wir für die Gerechtigkeit zuständig, sondern das Gericht, der Richter, die Schöffen. Niemand von uns hat das Recht, für oder gegen Kachelmann zu plädieren, und niemand hat das Recht, für oder gegen das mutmassliche Opfer zu plädieren. Wenn so eine Verhandlung schon unter Asschluss der Öffentlichkeit abgehalten wird, dann würde ich mir wünschen, dass dies vom Beginn bis zum Ende des Prozesses gilt. Wir haben Pressefreiheit, ja, und auch Meinungsfreiheit. Aber Derartiges hat in den Medien nichts verloren. Ich würde mir wünschen, dass zukünftig solche Prozesse nicht eher öffentlich gemacht werden, bis ein Urteil gefällt wurde. Ein Verstoß seitens der Presse dagegen sollte streng sanktioniert werden. Diese Medienhatz finde ich unerträglich. Die sexuellen Neigungen eines Herrn Kachelmanns gehen niemanden etwas an, und aus diesen ist auch nicht zu schliessen (wie es Frau Schwarzer wohl gerne täte), dass ein Mann, der derartige Sexualpraktiken praktiziert, auch gleichzeitig vor Vergewaltigung nicht zurückschreckt. Das ist blanker Unsinn. Ich finde dieses Prozess menschenunwürdig – in Hinsicht auf beide Parteien – auch auf die des mutmasslichen Opfers. Es gibt in diesem Prozess keine Neutralität mehr. Dabei wäre die so wichtig….

Kategorien:Medien, Meine Meinung

Viel Geld für nix… Abzocke mit leeren Kartons auf ebay

13. September 2010 8 Kommentare

logoEbay x45Als eine sehr liebe Freundin auf ebay.de vermeintlich ein Sony Ericson ersteigerte und nichts weiter erhielt als einen leeren Karton, machten wir beide uns ein wenig neugierig auf die Suche und waren geschockt, mit welcher Masche (nicht erst seit gestern) dort Unsummen (wir haben Auktionen mit bis zu 770 € Gebot gesehen) abgezockt werden und die Unkenntnis der Käufer ausgenutzt wird.
Die Anzeigen sind derart clever hergerichtet, dass man erst beim sehr genauen Hinsehen und Studieren der Anzeige erkennt, dass es sich nicht um den Inhalt eines Kartons handelt wie z.B einer Wii, einem Handy oder einer Playstation, sondern lediglich um die Verpackung dessen.

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Dass die Aufmachung der Anzeige dem Käufer auf dem ersten Blick suggerieren soll, es handelt sich bei dem zu ersteigernden Produkt um ein original verpacktes Apple iPhone, liegt klar auf der Hand. Das Kürzel OPV steht eigentlich für original verpackt. Hier aber steht es lediglich für Originalverpackung, soll heissen, hier wurde ein Käufer arglistig gestäuscht und er hat 335,00 € für einen lumpigen, leeren Karton gezahlt. Erst im weiteren Verlauf der Anzeige ist zu lesen: Sie bieten hier auf eine Original iPhone 4 16 GB OVP. Lediglich der Artikel “eine” läßt hier erraten, dass es sich um die Verpackung handelt und nicht um das iPhone an sich. Da die Anzeige sowieso vor Rechtschreibfehlern wimmelt, was wohl auch beabsichtigt ist, suggeriert dies dem Käufer, dass es sich lediglich um ein Verschreiben handelt. Kann ja passieren, gell…

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So oder ähnlich sehen viele Anzeige der Ebay-Abzocker aus, die nichts weiter wollen als abkassieren und somit auf die Unaufmerksamkeit einiger Käufer hoffen.

Solche Anzeigen finden sich genüge bei ebay. Folgendes solltet ihr beim Ersteigern und Mitbieten beachten.

  • Lest die Anzeige aufmerksam und genau durch, lasst euch Zeit. Auch wenn sich das Angebot kurz vor dem Auslaufen befindet, biete lieber nicht mit, solange ihr nicht ganz genau gelesen habt, um was es sich beim angebotenen Artikel wirklich handelt. Habt ihr Fragen, stellt sie dem Verkäufer. Antwortet er ungenau oder gar nicht, lasst die Finger davon. Ein seriöser Verkäufer stellt sich den Fragen seiner Kunden und gibt genau Auskunft.
  • Schaut auf die Kategorie. Hier meint der Verkäufer, sich selbst absichern zu können. Das Produkt steht hier unter: Handy-Organizer -> Handy-Zubehör -> Für Apple -> Sonstiges. Es ist also korrekt einsortiert und soll den Verkäufer vor späteren Reklamationen schützen. Viele schauen da nicht genau hin, da man den Suchbegriff zumeist auf der Ebay-Eingangseite abgibt und Ebay alles raussucht, was mit dem Begriff zu tun hat. Es grast auch alle Unterkategorien ab. Meist fällt das dem Käufer erst hinterher auf.
  • Immer sehr wichtig – achtet bitte auf die Bewertungen der Verkäufer. Die haben ihren Sinn. Ebay hat das nicht aus Jux und Dallerei eingeführt, sondern um dem Käufer einen Überblick zu verschaffen, mit wem er es zu tun hat. Sie sind ausschlaggebend, ob es sich um einen seriösen Verkäufer handelt oder nicht. Der/die Verkäufer(-in) in der oben abgebildeten Anzeige hat 80% – in diesem Fall sollte man davon absehen, bei seinen/ihren Angeboten mitzubieten.
  • Wenn möglich und wenn vom Verkäufer angeboten, zahlt mit Paypal. Ich weiss, dass dieses Zahlungssystem von vielen angeprangert wird, jedoch ist es bei ebay die einzige Möglichkeit, sein Geld zurück zu bekommen. Bei Ersteigerungen in den höheren Preislagen würde ich immer vorher schauen, ob Paypal angeboten wird. Viele Verkäufer geben in ihrem Profil allerdings Paypal als Zahlungsmethode an, nach der Ersteigerung will man zahlen und stellt fest, dass der Verkäufer gar kein Konto besitzt. An dieser Stelle (einen solchen Fall hatte ich gerade) schreibt den Verkäufer an und bittet, die Ware auf Rechnung zuzusenden. Tut er es nicht, tretet vom Verkauf zurück. Da er Paypal angab und keines besitzt, dürfte der Rücktritt rechtens sein, da ihr auf Käuferschutz pochen könnt.
  • Viele dieser Kartonversteigerungen laufen nur einen Tag und dies ist groß in der Anzeige angegeben. Das soll den Käufer animieren, so schnell wie möglich sein Gebot abzugeben, ohne groß den Verlauf der Anzeige zu lesen. Zudem schützt es dem Verkäufer davor, dass Ebay bei Meldung die Anzeige löscht – das dauert bis zu 24 Stunden (siehe weiter unten).

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  • Zumeist steht in der Anzeige “Bietet Platz für...” – wirklich sehr, sehr klein geschrieben und darunter die Produkte, die sich dann definitiv nicht im Karton befinden werden.ebayabzocke2

Falls es dann doch passiert sein sollte, dass ihr einen Karton ersteigert habt, nicht den Kopf hängen lassen. Auch wenn viele Abzocker androhen, dass sogenannte Spaßbieter 80% des Auktionspreises zahlen müssen… völliger Unsinn.

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Auf der Internetseite www.frag-einen-anwalt.de ist zum Thema folgendes zu lesen:

Zitat (Quelle: frag-einen-anwalt.de)

  • Zunächst ist ein wirksamer Vertrag zu Stande gekommen. Da Sie sich jedoch in einem Irrtum befunden haben, können Sie ihre Willenserklärung, d.h. Ihr Gebot wegen eines Eigenschaftsirrtums (§119 Abs. 2 BGB) abgegeben haben, anfechten. Sie irrten über eine verkehrswesentliche Eigenschaft des ersteigerten Gegenstandes.
    Verpackung statt MacBook. Sie müssen Ihre Vertragserklärung unverzüglich, d.h. ohne schuldhaftes Zögern, nach Kenntnis des Irrtums anfechten. Dadurch gilt der Vertrag rückwirkend als nicht geschlossen.
  • Sie können den bezahlten Kaufpreis zurückverlangen, da der Verkäufer diesen nach Anfechtung ohne rechtlichen Grund erlangt hat, §§ 812 ff. BGB.
    Sie müssen im Gegenzug die Verpackung zurücksenden.
  • Jedoch haben Sie den Schaden zu ersetzen, der dem Verkäufer entstanden ist, weil er auf die Wirksamkeit Ihrer Erklärung vertraut hat, § 122 Abs. 1 BGB.
    Das sind z.B. die Versandkosten und die ebay-Gebühren.
  • Ihre Schadensersatzpflicht besteht aber nicht, wenn der Verkäufer den Grund der Anfechtbarkeit kannte oder kennen musste, § 122 Abs. 2 BGB.
    Wegen der Gestaltung der Auktion (unbefangen kann man davon ausgehen, dass ein MacBook versteigert wird in Originalverpackung) musste der Verkäufer die Anfechtbarkeit kennen.
    Ein Schadensersatzanspruch entfällt damit.
    Sie müssen jedoch beweisen, dass der Verkäufer die Anfechtbarkeit kennen musste.
  • Die Chancen, das Geld zurückzuerhalten, stehen gut.

Für einen seriösen Verkäufer schickt es sich nicht, sein Produkt in einem schlechten und fehlerhaften Deutsch anzubieten, die Anzeige mit Eyecatchern zu füllen, sodass das Augenmerk vom Wesentlichen ablenkt und den Käufer täuscht. Wenn ein Karton und nicht der Inhalt verkauft wird, kann man es genauso schreiben und nichts weiter.

Sollte ihr solche Anzeigen finden, könnt ihr diese bei ebay.de melden. Bei jedem Angebot seht ihr rechts unter den Verkäuferangaben das Feld “Melden“. Ein Klick und die Sache wird von ebay geprüft und gelöscht. Leider dauert das immer bis zu 24 Stunden, daher wohl auch die Masche vieler Verkäufer, die Produkte nur einen Tag lang anzubieten.

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Mit einen der teuersten Kartons – obwohl aus der Anzeige eindeutig hervorgeht, dass es sich nicht um den Inhalt – in diesem Fall wieder ein iPhone – handelt sondern wirklich nur um die Verpackung, fand ich hier.

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Sollte aus der Anzeige – wie bei der obenstehenden – genau hervorgehen, dass es sich lediglich um den Karton, die Umverpackung oder die Originalverpackung handelt, seid ihr zahlungspflichtig. Es ist ein Kaufvertrag zustande gekommen. Der Rücktritt vom Kauf ist also nicht immer rechtens. Darum lest die Angebote aufmerksam durch und fragt nach, wenn etwas unklar ist.

Mehr zum Auktionsrecht lest ihr hier: Auktions-FAQ

Also – Freunde, lest euch die Anzeigen genau durch. Auch wenn ihr gute Chancen habt, das Geld zurück zu bekommen, den Ärger kann man sich sparen. Ich bin schon viele Jahre auf ebay.de unterwegs und habe bisher keine schlechten Erfahrungen gemacht. Ebay macht Spaß und so sollte es auch bleiben. Man kann gute und günstige Schnäppchen machen, wenn man denn ein bisschen auf der Hut ist, sich die Zeit nimmt, genau zu lesen, seinen gesunden Menschenverstand einsetzt und sich kein X für’n U vormachen lässt. In diesem Sinne… eins, zwei, drei… meins :-)

Kategorien:Alltag, Ebay, Sonstiges
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